Kapitelverzeichnis
Die große Mensa der Akademie war erfüllt vom abendlichen Stimmengewirr hunderter Studenten, dem Klappern von Besteck und dem Duft nach gebratenem Fleisch und deftigen Eintöpfen. Funny, Lily und Darin saßen an ihrem üblichen Tisch in einer ruhigen Ecke und ließen den anstrengenden Tag bei einer ausgiebigen Mahlzeit ausklingen.
Plötzlich riss eine hektische Stimme sie aus ihrer Unterhaltung.
„FUNNY! FUNNY!“
Miri, das junge Dienstmädchen mit den flauschigen Katzenohren und dem wild zuckenden Katzenschwanz, navigierte im Zickzackkurs durch die Tischreihen. Sie kam völlig außer Atem und mit geröteten Wangen an ihrem Tisch an.

Funny legte sofort ihr Besteck beiseite.
„Was ist los, Miri? Du siehst aus, als wärst du vor einem Höllenhund davongelaufen.“
Miri stützte sich schwer atmend auf der Tischkante ab. Sie blickte sich mit großen, wachsamen Augen um, als fürchtete sie, jemand an den Nachbartischen könnte sie belauschen. Dann beugte sie sich tief zu den dreien hinab und senkte die Stimme zu einem rauen Flüstern.
„Fina möchte euch unbedingt sprechen! Es sei extrem wichtig!“
Lilys Ohren spitzten sich sofort. Sie ließ ihren Löffel in den Eintopf fallen, die Neugier brannte in ihren Augen.
„Weißt du, worüber sie reden will? Hat jemand wieder Schokolade aus der Küche geklaut?“
Miri schüttelte hastig den Kopf.
„Nein, Lily, viel ernster. Fina war furchtbar aufgeregt, sie hat am ganzen Körper gezittert. Sie bat mich, euch nach dem Essen unbedingt zu finden. Sie wartet bereits oben vor deiner Kammer, Funny. Bitte beeilt euch.“
Damit huschte das Katzenmädchen ebenso schnell davon, wie sie gekommen war. Am Tisch blieb eine angespannte Stille zurück. Nicht nur Lily war nun hellwach und neugierig; auch über Funnys und Darins Köpfen schienen förmlich dicke Fragezeichen zu schweben.
Ein kurzer, vielsagender Blick reichte. Ohne ein weiteres Wort schlangen die drei ihr restliches Essen in Rekordzeit hinunter. Das Geheimnis duldete offensichtlich keinen Aufschub.
Wenige Minuten später eilten sie die Treppen zu den Studentenquartieren hinauf. Vor Funnys winziger, spartanisch eingerichteter Kammer lief Fina, das Fuchsmädchen, unruhig auf und ab. Sie wand die Hände in ihrer weißen Schürze, ihr buschiger Fuchsschwanz hing nervös herab.
Kaum hatte Funny den Schlüssel im Schloss herumgedreht und die Tür einen Spaltbreit geöffnet, schob Fina die drei Abenteurer geradezu panisch in den Raum. Sie schlüpfte hinterher, drückte die Tür fest ins Schloss und drehte sofort den Schlüssel zweimal um.
„Fina?“, fragte Darin verdutzt.
„Die Wände der Akademie haben Ohren!“, flüsterte Fina mit zittriger Stimme und presste das Ohr kurz an das Holz der Tür, um sicherzugehen, dass ihnen niemand gefolgt war.
Das Zimmer war winzig. Darin und Lily setzten sich dicht gedrängt auf Funnys schmales Bett, während Funny auf dem einzigen Stuhl am kleinen Schreibtisch Platz nahm. Fina blieb in der Mitte des Raumes stehen, sichtlich um Fassung ringend.
Funny lächelte sanft, stand noch einmal auf und legte dem zitternden Fuchsmädchen beruhigend die Hände auf die Schultern.
„Ganz ruhig, Fina. Atme tief durch. Hier bist du sicher. Erzähl uns einfach ganz genau, was passiert ist.“
Fina schluckte schwer, nickte und begann zu erzählen.
Rückblende – Vormittag an der Akademie
Es war ein ganz normaler Vormittag gewesen. Die angehenden Abenteurer saßen in den Vorlesungssälen oder schwitzten bei praktischen Übungen auf den Trainingsplätzen. Für die Dienstmädchen war es die entspannteste Zeit des Tages. Fina und die anderen Mädchen reinigten die endlosen, prunkvollen Gänge der Akademie. Sie staubten die schweren Ölgemälde der alten Gildenmeister ab, polierten die majestätischen Deko-Rüstungen auf Hochglanz und nahmen schwere Samtvorhänge ab, um sie zu reinigen.
Sie wirbelten durch die Flure, kicherten, tauschten harmlosen Klatsch aus und hatten offensichtlich Spaß daran, die Akademie sauber und vorzeigbar zu halten.

Sie waren fast fertig und die ersten Studenten strömten bereits aus den Sälen, um zum Mittagessen in die Mensa zu gehen, da fiel Fina eine Person auf. Der Mann trug einen dunklen, tief ins Gesicht gezogenen Umhang. Das allein war nicht ungewöhnlich – die Akademie empfing oft hochrangige Gäste oder mysteriöse Abenteurer von draußen. Doch das Verhalten dieses Mannes war anders. Er wirkte gehetzt. Sein Blick huschte nervös hin und her, als würde er etwas – oder jemanden – suchen.
Dann glitt er lautlos in einen schmalen, abseitigen Korridor, der zu einem alten Archiv führte und so gut wie nie benutzt wurde.
Finas Neugier war geweckt. Sie legte ihren Staubwedel beiseite, schlich auf leisen Sohlen näher und lugte verstohlen um die Ecke. Der Korridor lag im Halbdunkel, die magischen Fackeln hier brannten nur auf Sparflamme. Es war zu dunkel, sie konnte nichts sehen.
Gerade als sie sich umdrehen und zurück an die Arbeit gehen wollte, hörte sie ein leises Zischen. Stimmen. Sofort zog Fina den Kopf zurück. Ihr Herz begann zu rasen. Sie presste sich flach an die kalte Steinwand und glitt hinter den breiten Sockel einer der riesigen, dekorativen Ritterrüstungen, die die Nische flankierten. Sie hielt den Atem an und lauschte.
„Wann können wir die nächste Lieferung der neuesten Artefakte abholen?“, fragte eine tiefe, raue Stimme, die nach einem Ork oder Zwerg klang.
„Wir müssen uns vorsehen“, antwortete eine zweite, sehr beherrschte und normale Stimme. „Die alte Hexe scheint Verdacht geschöpft zu haben. Sie schnüffelt in den Inventarlisten herum.“
„Das lass mal unsere Sorge sein“, knurrte die tiefe Stimme. „Morgen ist doch diese große Arena-Feld-Übung des zweiten Jahrgangs. Wer weiß… vielleicht passiert dabei ja ein schrecklicher Unfall!“
Fina riss hinter der Rüstung entsetzt die Augen auf. Ein Unfall?
Dann meldete sich eine dritte Stimme – hell, nervös und ganz offensichtlich voller Angst. Eine Stimme, die Fina zwar nicht sofort zuordnen konnte, die aber definitiv zu einem Studenten der Akademie gehören musste.
„D-Davon will ich absolut nichts hören! Ich… ich gebe euch nur die Tipps, wo das Zeug lagert. Was ihr mit diesen Informationen macht, ist allein eure Sache!“
„Reg dich ab, Kleiner“, sagte die normale Stimme kühl. „Morgen, nach der Übung, wird pure Aufregung herrschen. Das Chaos ist unser bester Freund. Genau dann können wir mit dem Abtransport der Ausrüstung beginnen, ohne dass jemand Fragen stellt.“
„Gib uns einfach weitere Tipps“, grollte die tiefe Stimme bedrohlich, „und es wird sich für euch alle lohnen. Wenn nicht… kennen wir Wege, dich gesprächiger zu machen.“
„S-Sobald ich wieder was habe, melde ich mich!“, stotterte die helle Stimme hastig.
Die Stimmen verstummten. Dann das harte Klicken von Stiefeln auf Stein. Schritte näherten sich der Kreuzung.
Fina machte sich so klein sie nur konnte. Sie zog die Knie an die Brust und drückte sich regelrecht in die Schatten hinter dem steinernen Sockel. Sie biss sich auf die Unterlippe, um nicht vor Angst aufzuschreien. Sie wusste: Wenn diese Männer sie hier beim Lauschen ertappten, würde es für sie kein Morgen mehr geben.
Die schweren Schritte gingen direkt an der Rüstung vorbei. Ein Luftzug streifte Finas Gesicht. Dann entfernten sich die Schritte in Richtung des Hauptausgangs.
Fina wagte es nicht, sich zu bewegen. Sie kauerte minutenlang in der Nische, Minuten, die sich anfühlten wie zähe Stunden. Was, wenn jemand bemerkte, dass sie schon so lange beim Saubermachen fehlte? Schließlich nahm sie all ihren Mut zusammen und lugte vorsichtig in den spärlich beleuchteten Korridor. Er war vollkommen leer.

Mit zitternden Knien schlich sie zu den anderen Hausmädchen zurück. Zu ihrem großen Glück hatte in dem allgemeinen Mittagstrubel niemand ihr Verschwinden bemerkt.
Nach den offiziellen Essenszeiten der Studenten durften auch die Angestellten der Akademie essen. Als Fina Miri mit ihrem Tablett an einem der Tische sah, rannte sie sofort zu dem Katzenmädchen. Sie beugte sich vor und flüsterte ihr panisch ins Ohr: „Nach dem Abendbrot muss ich unbedingt mit Adiuva et Protege sprechen! Kannst du ihnen das bitte ausrichten? Es geht um Leben und Tod!“
Miri hatte Finas blasses Gesicht gesehen und sofort den Ernst der Lage erkannt.
„Ich fange sie direkt nach dem Abendbrot ab“, hatte Miri versprochen. „Meistens gehen die drei danach in die Bibliothek. Ich schicke sie direkt zu Funnys Kammer. Warte dort und schließ dich ein.“
Fina hatte nur genickt. Dann hatte sie hastig ein paar Bissen hinuntergeschlungen, um keinen Verdacht zu erregen, und war zitternd an ihre Arbeit zurückgekehrt.
Rückblende Ende
In Funnys Kammer war es totenstill geworden. Das ticken einer kleinen magischen Uhr auf dem Schreibtisch war das einzige Geräusch im Raum.
Darin war der erste, der das Schweigen brach. Er lehnte sich langsam auf dem Bett nach vorn, seine Augen waren analytisch zusammengekniffen.
„Die Arena-Feld-Übung“, murmelte er leise. „Die ist morgen früh. Unsere erste große Kampfübung gegen simulierte Monster…“
Lily sprang vom Bett auf, ihre Hände ballten sich zu Fäusten.
„Ein geplanter Unfall! Diese miesen Saboteure wollen die Übung manipulieren, um in dem Chaos die Akademie auszurauben!“
Funny sah Fina ernst an.
„Du hast unglaublich mutig gehandelt, Fina. Du hast wahrscheinlich vielen Studenten morgen das Leben gerettet.“
Sie wandte sich an ihre Freunde.
„Die ‚alte Hexe‘, von der sie sprachen… das muss Fennja sein. Der Direktor hat im Audimax erwähnt, dass Ausrüstung geklaut wird. Fennja ist ihm dabei wohl auf der Spur.“
„Wir müssen Fennja sofort warnen!“, stieß Lily aus, sprang vom Bett auf und wollte bereits zur Tür stürmen.
„Setz dich wieder hin, Lily“, sagte Funny leise, aber mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete. „Fennja ist nicht da.“
Lily stoppte abrupt.
„Was heißt, sie ist nicht da?“
„Sie weilt nicht auf dem Akademie-Gelände“, erklärte Funny nachdenklich. „Ich habe heute Nachmittag mitbekommen, wie sie sich verabschiedet hat. Sie und der Direktor sind zu einer Audienz im Palast der Kronprinzessin Aurelia gerufen worden. Sie wird erst morgen früh, direkt zum Beginn der Feld-Übung, zurückerwartet.“
Darin, der bisher still auf dem Bett gesessen hatte, zog scharf die Luft ein. Sein analytischer Verstand setzte die Puzzleteile zusammen.
„Der Zeitpunkt für diese Sabotage ist absolut perfekt gewählt. Die beiden wichtigsten und mächtigsten Personen der Akademie sind abwesend. Wenn Fennja morgen früh direkt vom Palast zur Arena eilt, wird sie keine Zeit mehr haben, die magischen Sicherheitssysteme der Anlage selbst zu prüfen. Sie wird blind in die Übung starten. Und da wir nicht wissen, wer in das Komplott involviert ist, können wir niemanden sonst informieren.“
Lily schnaubte verächtlich.
„Gut, wenn Fennja es nicht prüfen kann, dann lasst uns jetzt sofort in die Arena einbrechen und die verdammten Runen selbst nachprüfen! Darin findet doch jeden Fehler in diesen Systemen im Schlaf.“
„Nein!“, rief Fina panisch und ruderte wild mit den Händen. „Die Idee ist zwar gut, aber ihr dürft das auf gar keinen Fall tun! Vor so einer großen Übung ist es den Studenten strengstens verboten, sich der Arena auch nur zu nähern. Die Wachen sind angewiesen, jeden auf der Stelle zu melden. Ihr riskiert die sofortige Disqualifikation und vielleicht sogar den Rauswurf aus der Akademie!“
Ein schweres Schweigen legte sich über das winzige Zimmer. Alle ließen entmutigt die Köpfe hängen. Das Reglement der Akademie war unerbittlich.
„Dann gibt es nur einen Weg“, brach Lily schließlich die Stille. Ihr Blick war jetzt nicht mehr impulsiv, sondern eiskalt und fokussiert. „Wir melden uns freiwillig als allererste Gruppe für die Arena. Wenn wir ganz vorne stehen, haben wir die Situation als Erste in der Hand. Und wenn es knallt, sind wir direkt bei Fennja, um sie zu unterstützen.“
Darin nickte langsam, während er die Variablen in seinem Kopf durchrechnete.
„Ja. Das ist taktisch wohl unsere einzige und beste Option. Funny, du hast doch sicher das Handbuch zur Übung gelesen. Weißt du, wie das Szenario morgen im Detail ablaufen soll?“
Alle Augen richteten sich auf Funny.
„Der offizielle Ablauf ist folgender: Es werden immer exakt drei Studentengruppen gleichzeitig in die Arena geschickt. Sobald sie drin sind, schließt sich das schwere Stahltor hinter ihnen. Die Übung dauert maximal dreißig Minuten. Jede Minute spawnen neue, magisch erschaffene Monster im Areal. Die Bedingungen für ein Ende der Übung sind simpel: Entweder eine Gruppe hat als Erste zehn Monster erlegt – dann gewinnt sie und das Tor öffnet sich –, oder die dreißig Minuten laufen ab, dann verschwinden alle Monster automatisch.“

Darin strich sich über das Kinn.
„Gut. Betrachten wir das aus der Sicht eines Saboteurs, der Fennja töten oder zumindest ablenken will. Ich sehe vier konkrete Manipulationsmöglichkeiten im System: Erstens, die Monster sind von Beginn an extrem viel stärker, als sie für Zweitklässler sein sollten. Zweitens, die Sicherheitsprotokolle werden blockiert, sodass das Match vor Ablauf der dreißig Minuten nicht abgebrochen werden kann – selbst wenn jemand stirbt oder zehn Monster besiegt sind. Drittens, die Spawn-Rate wird manipuliert, sodass viel mehr Monster gleichzeitig erscheinen.“
Darin machte eine düstere Pause und sah seine Freunde eindringlich an.
„Oder viertens: Alle drei Punkte treffen gleichzeitig zu. Wenn ich Fennja, die Schwertmeisterin, dauerhaft aus dem Weg räumen wollte… würde ich definitiv Option vier wählen. Eine ausweglose Todesfalle.“
Funny nickte zustimmend.
„Also müssen wir mit sehr vielen und extrem starken Monstern rechnen. Rechnen wir das mal durch: Die morgige Übung ist für Studenten auf dem E-Rang ausgelegt. Das Sicherheitssystem sollte also maximal Monster bis Stufe D+ generieren. Wir drei haben bereits den Rang D+. Wenn wir als Gruppe perfekt zusammenarbeiten, ist selbst ein C+ Monster für uns kein wirkliches Problem.“
Sie atmete tief durch.
„Aber Fennja… Fennja ist S-Rang.“
Fina, das Fuchsmädchen, keuchte laut auf und hielt sich die Hand vor den Mund.
„D-Die Schwertmeisterin ist S-Rang?! Aber… das ist doch die höchste Stufe! Warum weiß das niemand?“
Funny lächelte nachsichtig.
„Ja, Fennja ist S-Rang. Sie geht damit nur nicht hausieren wie manch andere Wichtigtuer.“
Lily verdrehte genervt die Augen, dass man fast das Weiß darin sehen konnte.
„Wem sagst du das. Aris, dieser adelige Gockel, stolziert jeden Tag durch die Gänge, plustert sich auf und hält jedem, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist, seinen winzigen E+ Rang unter die Nase, als wäre er der Retter von Feenland.“
„Wahre Stärke flüstert, sie schreit nicht“, warf Darin trocken ein. „Meine Mutter, Rawenna, erzählt auch nicht jedem, dem sie ein Bier zapft, dass sie eine A-Rang Abenteurerin ist. Wer wirklich gut ist, muss darüber nicht reden.“
Funny brachte sie wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurück.
„Aber denkt mal logisch nach: Um eine S-Rang-Kämpferin wie Fennja auch nur in Bedrängnis zu bringen oder gar auszuschalten, bedarf es einer ganzen Horde von S-Rang Monstern. Und das bedeutet…“ Sie schluckte leicht. „…die Studentengruppen, die zu dem Zeitpunkt mit in der Arena sind, sind so gut wie tot. Sie würden einen solchen Angriff nicht überleben. Selbst wir, als eingespieltes D+ Team, würden bei einem S-Rang Monster sofort den taktischen Rückzug antreten.“
Darin richtete sich auf, ein plötzliches Funkeln trat in seine Augen.
„Moment. Ich habe vor ein paar Wochen mit Professor Favien über die Manaknoten der Arena gesprochen. Das System hat eine physische Grenze! Es kann nicht von Null auf gleich aus dem Nichts die höchsten Monsterstufen erschaffen. Die Runen müssen sich aufladen, das benötigt Zeit.“
Er ballte die Hand zur Faust. „Das ist unsere Chance! Wenn das System langsam hochfährt und wir uns extrem beeilen… Wenn wir es schaffen, in den ersten Minuten sofort zehn niedrigrangige Monster zu vernichten, erfüllt das die Siegbedingung. Mit etwas Glück zwingt das den Kern der Arena, sich vorzeitig abzuschalten, bevor die S-Monster überhaupt spawnen können. Aber wir müssen auf jeden Fall vorher mit Fennja reden. Nur eines ist definitiv: Nach 30 minuten ist Schluss: Das kann nicht manipuliert werden. “
„Das wird aber erst direkt in der Arena möglich sein!“, gab Funny zu bedenken. „Vorher kommen wir nicht an sie heran.“
Lily schlug mit der Faust in ihre flache Hand.
„Dann heißt es morgen: Augen zu und durch. Wir gehen keinem Kampf aus dem Weg. Wenn wir Fennja helfen wollen und verhindern müssen, dass andere Studenten abgeschlachtet werden, müssen wir als allererste Gruppe da rein. Keine Diskussion!“
Fina sah die drei Abenteurer mit großen, bewundernden, aber auch ängstlichen Augen an.
„Ich… ich drücke euch die Daumen. Ihr seid wirklich verrückt, aber ihr seid die Einzigen, die das schaffen können.“
Darin trat dicht an das Fuchsmädchen heran. Seine Stimme war leise, verlor aber jeden Anflug von Schüchternheit. Er klang hart und absolut unmissverständlich.
„Fina, hör mir gut zu. Du vergisst alles, was du heute gehört hast. Du erzählst absolut niemandem auch nur ein einziges Sterbenswort davon. Nicht Miri, nicht den anderen Mädchen, niemandem. Zum einen wird dir ohne Beweise sowieso niemand glauben… und zum anderen läufst du höchste Gefahr, von diesen Drahtziehern einfach aus dem Weg geräumt zu werden, wenn sie merken, dass du etwas weißt.“
Fina wurde kreidebleich, nickte aber bestürzt und gehorsam. Sie wusste, dass Darin recht hatte.
Das Schicksal der Arena-Übung lag nun allein in den Händen von Adiuva et Protege. Morgen früh würde sich zeigen, ob ihre Planung ausreichte, um zu überleben.
***
Am nächsten Morgen lag eine greifbare, knisternde Nervosität über dem Frühstückssaal. Der gesamte zweite Jahrgang aß auffällig still. Doch während die meisten Studenten schlichtweg einen Heidenrespekt vor der anstehenden, ersten großen Bewährungsprobe hatten, war die Anspannung bei Adiuva et Protege komplett anderer Natur. Sie wussten, dass sie heute nicht um gute Noten, sondern um ihr nacktes Überleben kämpfen würden.
Kurz nach dem Frühstück versammelten sich die Zweitklässler vor dem massiven, mit magischen Siegeln überzogenen Eisernen Tor der Akademie-Arena. Ein hochgewachsener Student aus dem dritten Jahr, ausgerüstet mit einem Klemmbrett und einer wichtigtuerischen Miene, hatte die Aufgabe, die Übung zu koordinieren und jeweils drei Gruppen in die Anlage zu lassen.
Funny trat ohne Zögern vor. Ihr blauer Bikini leuchtete im kühlen Morgenlicht, ihre Haltung war aufrecht.
„Meine Gruppe wird als Erste gehen“, erklärte sie mit fester Stimme.
Der Student nickte und blickte über das Klemmbrett in die Menge.
„Gibt es weitere Freiwillige für die erste Welle?“
Aris, der Hochelf, straffte die Schultern und öffnete bereits den Mund. Er wollte sich auf gar keinen Fall von drei mickrigen, spärlich bekleideten Blumenelfen ausstechen lassen. Doch noch bevor er ein Wort sagen konnte, griffen ihm zwei seiner adligen Kumpane warnend an den Umhang und zogen ihn dezent zurück. Obwohl das Trimester noch jung war, hatten die meisten Studenten mit scharfem Verstand bereits analysiert, auf welch hohem Level Funny, Lily und Darin operierten. Freiwillig gegen sie antreten? Das kam einem öffentlichen Eingeständnis der eigenen Schwäche gleich. Auch Aris musste zähneknirschend und widerwillig einsehen, dass Adiuva et Protege derzeit außer Reichweite war. Er schwieg.
Der Drittklässler seufzte.
„Wenn sich niemand freiwillig meldet… dann gehen wir eben zufällig vor.“
Er tippte auf sein Brett. Die Namen verschoben sich wie von Zauberhand.
„Zu ‚Adiuva et Protege‘ kommen Gruppe ‚Eisenhammer‘, ein Zwergenteam und Gruppe ‚Schattenpfote‘, bestehend aus drei Tiermenschen.“
Funny drehte sich um und nickte den jeweiligen Anführern höflich grüßend zu. Die Zwerge – grundsätzlich allem abgeneigt, was irgendwie feingliedrig oder elfisch aussah – erwiderten den Gruß nur mit einem synchronen, abfälligen Grunzen. Die Anführerin der Tiermenschen, eine geschmeidige Pantherfrau, lächelte Funny hingegen freundschaftlich und respektvoll an.
Der Student trat an einen Hebel an der Wand.
„Bei drei tretet ihr gleichzeitig ein. Fennja, unsere Schwertmeisterin, erwartet euch bereits im Inneren und weist euch ein. Eins… zwei… drei!“
Mit einem ohrenbetäubenden Ächzen glitten die tonnenschweren Torhälften auseinander. Die neun Studenten traten ein. Kaum hatten sie die Schwelle überquert, schlug das Tor mit einem metallischen KRACH, das in den Knochen vibrierte, wieder zu.
Schlagartig wandelte sich die Umgebung. Aus den kahlen Steinwänden der künstlichen Arena wurde in Sekundenbruchteilen eine hyperrealistische Landschaft. Sie standen auf einer weiten Lichtung, umgeben von dichtem, altem Wald, schroffen Felsen und einem reißenden, schnell fließenden Fluss. Die Luft roch nach Kiefernnadeln und feuchter Erde.
In der Mitte der Lichtung stand Fennja, die Arme verschränkt, das lange Schwert auf dem Rücken. Noch bevor die Gildenmeisterin zur offiziellen Begrüßung ansetzen konnte, stürmte Funny auf sie zu. Sie hoffte, den Start der Übung noch verhindern zu können. Sie packte Fennja am Arm und sprudelte die Informationen über die geplante Sabotage-Aktion, das Ablenkungsmanöver und den Diebstahl der Artefakte in rasantem Tempo heraus.

Funny schloss atemlos: „Können wir die Übung noch abbrechen? Sofort?“
Fennjas Gesichtszüge entgleisten. Die stoische Ruhe der Schwertmeisterin wich schierer Bestürzung. Sie eilte zu einer steinernen Konsole am Rand der Lichtung und fluchte leise. Sie schüttelte langsam den Kopf.
„Es ist zu spät. Die Abriegelungsrunen sind aktiv. Das Tor öffnet sich erst nach exakt 30 Minuten wieder. Wir haben jetzt noch knapp fünf Minuten für die Vorbereitung… und dann müssen wir 25 Minuten lang überleben. Oder ein Team muss 10 Monster erlegen.“
Fennja riss sich zusammen und rief die beiden anderen Teams heran. Sie bat Funny, die Situation noch einmal extrem verkürzt darzustellen. Bei den Zwergen und den Tiermenschen breitete sich sofort blankes Entsetzen aus. Einer der Zwerge umklammerte seinen Kriegshammer so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten.
„Ruhe bewahren!“, schnitt Fennjas scharfe Stimme durch die aufkommende Panik. „Das Arena-System ist an physische Gesetze gebunden. Es startet zwingend mit leichten Monstern und steigert sich nach und nach. Unser Plan ist simpel: Lasst diese erste Welle ausschließlich Funny, Lily und Darin bekämpfen! Sie sind das stärkste Team. Wenn wir unglaubliches Glück haben, greift die Kernprogrammierung und das System beendet das Match automatisch, sobald sie die ersten zehn Monster erlegt haben.“
Fennja sah die Zwerge und Tiermenschen eindringlich an.
„Unterstützt die drei, haltet ihnen den Rücken frei, aber erlegt die Monster unter keinen Umständen selbst! Die Übung wird heute nicht gewertet. Es geht nur noch darum, diese verdammte Zeit zu überstehen und lebend hier herauszukommen!“
Ein tiefer, metallischer Gong hallte von einem künstlichen Himmel wider.
„Es geht los“, flüsterte Fennja und zog ihr Schwert.
Das System begann moderat. Die ersten Gegner waren modrige Wald-Kriecher und abstoßende Übelkrähen – absolut niedrigrangiges Ungeziefer (Rang E oder D). Für Funny, Lily und Darin war das kaum mehr als ein Aufwärmtraining. Ihre Klingen wirbelten durch die Luft. Innerhalb weniger Minuten fielen die ersten fünf Monster, ohne dass Adiuva et Protege auch nur ins Schwitzen geriet.
Doch dann zog das System das Tempo drastisch an. Aus dem Gestrüpp brach Monster Nummer sechs: Eine C-Rang Feuerschlange, so dick wie ein Baumstamm. Lily parierte einen tödlichen Biss mit dem Schaft ihrer Naginata, während Funny sie mit Eismagie verlangsamte und Darin den Schädel der Bestie mit einem wuchtigen Axtschlag spaltete. Kill Nummer sechs.
Der Gong ertönte erneut – diesmal schrill und bedrohlich. Das erste B-Rang Monster materialisierte sich. Ein massiver, gepanzerter Kriegstroll brach mit ohrenbetäubendem Brüllen aus den Felsen hervor. Funny, Lily und Darin übernahmen sofort den Frontangriff. Die Zwerge und Tiermenschen griffen flankierend ein, warfen Steine, stachen in die Kniekehlen und lenkten das Ungetüm ab. Nach einem zähen Ringen ging der Troll schließlich in die Knie. Darins schwere Doppelaxt trennte den Kopf sauber vom Hals ab. Kill Nummer sieben.
Doch der Kampf hatte zu lange gedauert. Das Zeitlimit der Spawns war abgelaufen. Die Luft flimmerte und auf einen Schlag standen drei weitere Kriegstrolle auf der Lichtung. Das Chaos brach aus.
Die Studenten kämpften nun mit allem, was sie hatten, um ihr bloßes Überleben. Lily entfesselte ihre gesamte Wut, rotierte wie ein roter Todesengel durch die Luft und hieb dem ersten neuen Troll mit einem perfekten Schwung den Kopf ab. Kill Nummer acht.
Doch der zweite Troll erwischte die angreifende Zwergengruppe. Mit einem einzigen, brutalen Prankenhieb schmetterte er die drei robusten Krieger wie Stoffpuppen gegen einen Felsen. Sie sackten reglos zu Boden. Die Tiermenschen setzten in einem waghalsigen Manöver nach, kletterten auf den Rücken des Ungetüms und trieben ihm ihre Dolche in den Nacken. Der Troll fiel.
Gleichzeitig donnerte Darin mit einem Sprung auf den dritten Troll zu und spaltete dessen Brustkorb. Kill Nummer neun für das Team.
Nur noch ein Monster! Alle blickten sich hastig um. Doch dann erstarrten sie.
Ein Gebrüll zerriss die Luft, so laut und tief, dass es sich anfühlte, als würde die Welt in Stücke brechen. Der künstliche Himmel verdunkelte sich schlagartig. Ein gewaltiger, geflügelter Schatten legte sich über die Lichtung. Die Arena-Logik war endgültig kollabiert. Das Sabotage-Skript hatte beschlossen, die A-Rang-Monster komplett zu überspringen und direkt zur absoluten Vernichtung überzugehen.
Fennjas Augen weiteten sich in nackter Panik.
„DRACHE!“, schrie sie aus voller Lunge. „S-RANG! HINTER DEN FELSEN IN DECKUNG VOR DEN FLAMMEN!“
Ein ausgewachsener, rubinroter Feuerdrache stürzte aus den Wolken herab, das Maul bereits zu einem tödlichen Inferno geöffnet.
Darin, der in Sekundenbruchteilen die Flugbahn abschätzte, traf eine irrwitzige Entscheidung.
„Funny!“, brüllte er über das Rauschen der gewaltigen Flügel hinweg. „Lily und ich schleudern dich hoch! Stech ihm mit deinen Dolchen die Augen aus! Wenn er nichts sieht, kann er nicht zielen!“
Darin und Lily rannten zusammen und verschränkten ihre Hände zu einem festen Trittbrett.
„DREI… ZWEI… EINS… HOCH!“
Funny sprintete los, trat mit voller Kraft in das menschliche Sprungbrett und ließ sich in den Himmel katapultieren. Gleichzeitig schlug sie mit ihren Elfenflügeln, um den Schwung zu maximieren. Mit einem eleganten, perfekten Salto überwand sie die tödliche Flammenwand, die gerade aus dem Schlund brach und landete direkt auf der Schnauze der Bestie.

Der Drache schien für den Bruchteil einer Sekunde im Sturzflug zu erstarren – völlig perplex, dass Beute ihn angriff. Funny nutzte diesen winzigen Moment. Mit einem lauten Schrei rammte sie ihre beiden magischen Energiedolche bis zum Anschlag in die hellgelb leuchtenden, reptilienhaften Augen des Drachen. Im selben Atemzug stieß sie sich ab und sprang in einem rückwärtigen Salto von dem sich windenden Ungetüm herunter.
Der Drache, vor Schmerz brüllend, klappte reflexartig die Flügel zusammen. Seine Aerodynamik versagte völlig und er stürzte wie ein tonnenschwerer Felsbrocken vom Himmel.
Darin hechtete mit einem Verzweiflungssprung genau in die Richtung, in der Funny vom Himmel fallen musste. Es ging alles so rasend schnell, dass Funny nicht einmal dazu kam, ihre Flügel zu entfalten. Sie krachte mit voller Wucht in Darins Arme, beide rollten hart über den staubigen Boden.
Dann schlug der Drache auf. Ein Erdbeben erschütterte die Arena. Die Druckwelle und der Peitschenschlag seiner gigantischen Flügel fegten Fennja und die drei Tiermenschen von den Beinen. Auch Lily wurde voll erfasst, flog durch die Luft und krachte ungebremst gegen die Felswand. Sie rutschte zu Boden und rührte sich nicht mehr.
Darin sprang sofort wieder auf. Wut entbrannte in ihm. Er beschwor seine Doppelaxt und rannte auf den brüllenden, wild um sich schlagenden Drachen zu. Er holte zu einem gewaltigen Hieb aus – doch die Axt glitt einfach funkensprühend ab! Die Schuppen des S-Rang Monsters waren so unfassbar hart, dass die Waffe nicht einmal einen Kratzer hinterließ.
Der Drache roch den Angreifer. Mit einer rasenden Drehung seines massiven Körpers peitschte sein stacheliger Schwanz herum. Der Treffer riss Darin von den Füßen, schleuderte ihn durch die Luft und schmetterte ihn auf den harten Boden. Ein hässliches Knacken war zu hören. Darin blieb reglos liegen.
Funny stand plötzlich ganz allein. Vor ihr wütete ein schmerzgeplagtes, geblendetes, aber immer noch tödliches S-Rang-Monster. Der riesige Kopf des Drachen zuckte ruckartig in Funnys Richtung. Er hatte ihre feine Energiesignatur geortet.
Ohne nachzudenken, stieß Funny sich mit den Füßen ab. Ihre zarten Flügel begannen mit einem kaum hörbaren, hochfrequenten Surren zu schlagen. Der Drache schnappte mit seinen gigantischen Kiefern nach ihr, doch seine Zähne schlossen sich nur um leere Luft.
Funny glitt so absolut geräuschlos wie möglich über den Nacken des rasenden Ungetüms. Ihr analytischer Blick, geschult in Hunderten Stunden in Ollis alten Büchern und mit alten Kampfberichten, suchte verzweifelt nach einer Schwachstelle. Und dann sah sie es: An einer winzigen Stelle am Übergang vom Hals zum Nacken schienen die dicken Panzerschuppen ein wenig verrutscht zu sein. Eine alte Verletzung? Ein Geburtsfehler? Es spielte keine Rolle.
Funny setzte alles auf eine einzige, finale Karte. Sie legte die Flügel an und stieß wie ein Pfeil aus dem Himmel herab. Ihren linken Dolch rammte sie in die winzige Lücke, nutzte ihr ganzes Körpergewicht als Hebel und bog die dicke, beschädigte Schuppe unter einem widerlichen Knirschen auf. Die weiche Haut lag frei. Mit dem rechten Dolch stieß sie mit all ihrer verbliebenen Kraft zu. Tief hinein in den freigelegten Hals. Sie durchtrennte Muskeln und spürte, wie die Klinge einen massiven Hauptnerv traf.
Der Drache brüllte nicht mehr. Ein gewaltiger Schauer lief durch seinen massiven Körper, er erstarrte mitten in der Bewegung und krachte dann wie ein gefällter Baum auf den Boden Er war tot. Kill Nummer Zehn.
Der erlösende Gong ertönte. Die Illusion brach augenblicklich zusammen, Wald und Fluss verpufften und die kalten Stahlwände der Arena waren wieder sichtbar. Mit einem hydraulischen Zischen rissen die Tore weit auf.
Die Studenten und Lehrer, die draußen an den Sicherheitskristallen das blutige Drama miterleben mussten, stürmten in die Arena. Das Chaos war perfekt. Das plötzliche Erscheinen eines S-Rang Monsters hatte nahezu die gesamte Akademie alarmiert.
Die Heiler waren sofort zur Stelle und schwärmten aus. Fennja, selbst blutend und hustend, koordinierte hastig die Erstversorgung. Die Zwerge – physisch unfassbar robust im Nehmen – kamen langsam wieder zu sich; sie hatten nicht einmal Knochenbrüche, nur schwere Prellungen. Die Tiermenschen waren stärker lädiert, aber die Heiler stabilisierten sie schnell. Schlimmer stand es um Adiuva et Protege. Darin und Lily litten beide unter einer massiven Gehirnerschütterung. Darin hatte einen komplizierten Doppelbruch im rechten Arm erlitten, der grauenhaft abstand, und Lilys linker Feenflügel war nicht nur schmerzhaft aus dem Gelenk gesprungen, sondern auch über die gesamte Länge geknickt.
Und Funny? Sie saß völlig erschöpft, verdreckt und schwer atmend auf dem Boden neben dem gewaltigen, langsam zerfallenden Kadaver des Drachen. Die herbeigeeilten Studenten hielten instinktiv einen weiten, respektvollen Abstand. Denn dass eine Gruppe D-Rang-Abenteurer – und am Ende ein einzelnes Mädchen, eine Blumenelfe – einen S-Rang Drachen besiegte, war schlichtweg unglaublich. Wäre dies in echter Wildbahn geschehen und dokumentiert worden, hätte Funny auf der Stelle den C-Rang erhalten. Wahrscheinlich sogar höher.
Fennja humpelte zu ihr, reichte ihr die Hand und zog sie hoch. Ihr Blick war stählern.
„Wir müssen sofort zum Direktor.“
Funny nickte stumm. Auf halbem Weg aus der Arena kam ihnen der zwergische Direktor bereits mit stampfenden Schritten entgegen. Er sah noch grimmiger aus als bei der Ansprache im Audimax, seine Hände waren zu Fäusten geballt.
„Die Lieferung der letzten, wertvollen Artefakte aus dem Hauptgewölbe… sie ist weg“, knurrte er, und seine Augen brannten vor unterdrückter Wut.
Fennja nickte grimmig. Sie informierte den Zwerg schnell und präzise über alles, was Funny ihr offenbart hatte, über den geplanten Sabotageakt und wie dieses gewaltige, laute Chaos in der Arena das perfekte Ablenkungsmanöver für den Raub geboten hatte.

Über das steinharte Gesicht des Direktors huschte für einen winzigen Moment ein Anflug von Anerkennung, als er zu Funny hinabsah.
„Heute haben wir verloren“, stellte er fest. „Der Raub hat stattgefunden.“
Dann legte er ihr eine schwere Pranke auf die Schulter.
„Aber dass es heute keine toten Studenten gab… das allein ist dem heldenhaften Einsatz von euch und auch den anderen beiden Teams zu verdanken.“
Die Arena wurde umgehend gesperrt. Wenig später fanden Professor Favien und ein notdürftig geschienter Darin heraus, wie die Monster-Generierung manipuliert worden war. Es war erschreckend simpel: Ein kleines, unscheinbares Limitierungs-Artefakt, das die Energiezufuhr der Runen deckelte, war schlichtweg ausgebaut worden.
Die gesamte Feldübung für den zweiten Jahrgang wurde offiziell abgebrochen. Den drei beteiligten Gruppen wurde die Übung jedoch mit absoluten Bestnoten gutgeschrieben.
Doch die intensive Untersuchung des großen Raubs förderte keine weiteren Spuren zutage. Die Panik, das schreiende Personal und das absolute Chaos, das eingesetzt hatte, als die drei Gruppen um Fennja in der Arena um ihr Leben kämpften, reichten den Dieben völlig aus, um ihre Spuren meisterhaft zu verwischen.
Am Himmel ballten sich dunkle Wolken über der Akademie zusammen.
Kapitelverzeichnis
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