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Tag der Unendlichkeit

Lily stocherte mit einer Gabel lustlos auf ihren Pfannkuchen herum, als wäre er ein uraltes Fossil. Sie ließ den Kopf auf die freie Hand sinken und stieß einen Seufzer aus, der das Geschirr auf dem Frühstückstisch zum Vibrieren brachte.

„Es passiert rein gar nichts“, stöhnte sie. „Ich langweile mich nicht nur, ich bin die pure Langeweile. Sie ist endlos. Grenzenlos. Unendlich!“

Funny, die gerade genüsslich von ihrem Croissant abbiss, hielt inne. Sie zog eine Augenbraue hoch und sah Lily belustigt an.

„Unendlich, sagst du? Kannst du dir die Unendlichkeit überhaupt vorstellen?“

Lily schnaubte verächtlich.

„Mir reicht schon die Langeweile, danke. Die ist Vorstellung genug. Jede Sekunde zieht sich wie ein Kaugummi, der bis zum Mond reicht.“

Darin, der bis dahin schweigend seinen Kaffee getrunken hatte, lehnte sich zurück und schmunzelte.

„Wenn wir schon bei Kaugummis bis zum Mond sind… kennst du eigentlich die Geschichte vom Galaktischen Hotel?“

Lily verdrehte die Augen, aber sie hörte auf, ihren Pfannkuchen zu massakrieren.

„Lass mich raten: Es hat keinen Zimmerservice und man langweilt sich dort zu Tode?“

„Ganz im Gegenteil“, warf Funny ein und grinste wissend. „Erzähl schon, Darin!“

Darin räusperte sich theatralisch.

„Stell dir vor, Lily, da draußen im Kosmos schwebt ein Hotel. Das Galaktische Hotel. Es ist ein ganz besonderes Etablissement, denn es verfügt über unendlich viele Zimmer und unendlich viele Betten. Punkt 18:00 Uhr rollt ein gigantischer Reisebus vor. An Bord? Unendlich viele Passagiere. Alle wollen einchecken. Was macht der Portier?“

„Er kündigt?“, schlug Lily trocken vor.

„Fast“, lachte Darin. „Er bleibt cool. Der erste Passagier bekommt Bett Nummer 1, der zweite das 2., der dritte das 3. – und so weiter, bis in die Unendlichkeit. Jeder ist versorgt, Problem gelöst. Alle schlafen.“

„Schön für sie“, brummte Lily. „Aber wo ist der Haken?“

„Der Haken“, übernahm Funny mit leuchtenden Augen, „kommt um 19:00 Uhr. Da hält plötzlich ein zweiter Bus. Wieder mit unendlich vielen Menschen an Bord! Alle Zimmer sind belegt, aber der Manager darf niemanden abweisen. Was tun?“

Lily runzelte die Stirn. Ihre Langeweile war für einen Moment vergessen.

„Wenn schon alle Zimmer unendlich voll sind… kann man niemanden mehr reinquetschen. Die müssen auf dem Flur schlafen.“

„Falsch!“, rief Darin triumphierend. „Die Lösung der Hotelverwaltung war ebenso simpel wie genial. Sie ließen alle Gäste aus dem ersten Bus noch einmal kurz aufstehen. Dann wurde nach dem Reißverschlussverfahren neu verteilt!“

Er schnappte sich ein paar Blaubeeren aus einer Schüssel und legte sie in einer Reihe auf den Tisch.

  • Bett 1: Der 1. Fahrgast aus Bus 1.
  • Bett 2: Der 1. Fahrgast aus Bus 2.
  • Bett 3: Der 2. Fahrgast aus Bus 1.
  • Bett 4: Der 2. Fahrgast aus Bus 2.

„Und so ging das unendlich weiter!“, erklärte Funny. „Auf einmal hatte wieder jeder ein eigenes Bett, obwohl das Hotel eigentlich schon ‚voll‘ war.“

Lily starrte auf die Blaubeeren.

„Okay. Ziemlich cleverer Manager. Aber nervig für die Leute aus Bus 1, die gerade eingeschlafen waren.“

„Oh, es wird noch besser“, sagte Darin und beugte sich über den Tisch. „Als es schließlich 20:00 Uhr schlug, geschah das Unfassbare. Es kam nicht ein Bus. Es kamen unendlich viele Busse, und jeder einzelne war besetzt mit unendlich vielen Passagieren! Alle wollten ins Galaktische Hotel. Wie die clevere Hotelverwaltung diese logistische Meisterleistung am Ende vollbracht hat, überlasse ich deiner Fantasie. Aber glaub mir: Sie haben auch dafür eine Lösung gefunden.“

Es herrschte einen Moment Stille am Frühstückstisch. Lily blinzelte.

„Unendlich viele Busse… mit unendlich vielen Leuten. Das ist doch purer Stress! Wer soll denn da noch den Überblick behalten?“

„Exakt!“, rief Funny und schnippte mit den Fingern. „Und genau das ist der Punkt, Lily. Stell dir mal vor, dieses Galaktische Hotel wäre das Feenland.“

Lily zog skeptisch die Nase kraus.

„Das Feenland? Wie meinst du das?“

„Schau dir an, was wir hier im Feenland normalerweise erleben“, erklärte Darin ruhig. „Meistens herrscht hier das absolute Chaos. Kaum hast du ein Problem gelöst – quasi den ersten Bus untergebracht – kommt ein Kobold-Aufstand, ein verzauberter Wasserfall und eine verschwundene Krone gleichzeitig um die Ecke gebogen. Unendlich viele Aufgaben in unendlich vielen verrückten Bussen, die alle exakt zur selben Zeit von dir gelöst werden wollen.“

Funny nickte nachdrücklich.

„Weißt du noch letzten Monat? Als wir gleichzeitig den Drachen beruhigen, die tanzenden Bäume pflanzen und den Zaubertrank brauen mussten? Das war unser 20:00-Uhr-Moment mit den unendlich vielen Bussen. Wir mussten unsere Aufmerksamkeit nach dem Reißverschlussverfahren aufteilen, und am Ende waren wir völlig erledigt.“

Darin schob Lily den Sirup für ihren Pfannkuchen rüber.

„Was wir dir sagen wollen, Lily: Du beschwerst dich gerade über ein leeres Hotel. Aber ein leeres Hotel bedeutet Frieden. Es bedeutet, dass du nicht aus dem Bett geklingelt wirst, um Platz für unendlich viele verrückte Feenland-Probleme zu machen.“

Lily schaute von Darin zu Funny, dann auf die Blaubeeren, die das kosmische Reißverschlussverfahren darstellten, und schließlich auf ihren Pfannkuchen. Die Frustration in ihrem Gesicht wich langsam einem nachdenklichen Ausdruck, bevor sich ihre Mundwinkel zu einem leichten Schmunzeln hoben.

„Ihr seid echt unmöglich, wisst ihr das?“, murmelte sie, griff nach dem Sirup und ertränkte ihren Pfannkuchen großzügig darin. „Ihr benutzt intergalaktische Mathematik, um mir zu sagen, dass ich einfach mal die Klappe halten und chillen soll.“

„Wir nennen es perspektivische Entspannung“, korrigierte Funny grinsend.

„Na gut“, seufzte Lily, lehnte sich zurück und schnappte sich eine von Darins Reißverschluss-Blaubeeren. „Dann nehme ich jetzt eben mal das Zimmer für den Fahrgast, der absolut gar nichts tun muss. Bitte nicht stören, der Bus hat Pause.“

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Tag der Unendlichkeit

Lily stocherte mit einer Gabel lustlos auf ihren Pfannkuchen herum, als wäre er ein uraltes Fossil. Sie ließ den Kopf auf die freie Hand sinken und stieß einen Seufzer aus, der das Geschirr auf dem Frühstückstisch zum Vibrieren brachte.

„Es passiert rein gar nichts“, stöhnte sie. „Ich langweile mich nicht nur, ich bin die pure Langeweile. Sie ist endlos. Grenzenlos. Unendlich!“

Funny, die gerade genüsslich von ihrem Croissant abbiss, hielt inne. Sie zog eine Augenbraue hoch und sah Lily belustigt an.

„Unendlich, sagst du? Kannst du dir die Unendlichkeit überhaupt vorstellen?“

Lily schnaubte verächtlich.

„Mir reicht schon die Langeweile, danke. Die ist Vorstellung genug. Jede Sekunde zieht sich wie ein Kaugummi, der bis zum Mond reicht.“

Darin, der bis dahin schweigend seinen Kaffee getrunken hatte, lehnte sich zurück und schmunzelte.

„Wenn wir schon bei Kaugummis bis zum Mond sind… kennst du eigentlich die Geschichte vom Galaktischen Hotel?“

Lily verdrehte die Augen, aber sie hörte auf, ihren Pfannkuchen zu massakrieren.

„Lass mich raten: Es hat keinen Zimmerservice und man langweilt sich dort zu Tode?“

„Ganz im Gegenteil“, warf Funny ein und grinste wissend. „Erzähl schon, Darin!“

Darin räusperte sich theatralisch.

„Stell dir vor, Lily, da draußen im Kosmos schwebt ein Hotel. Das Galaktische Hotel. Es ist ein ganz besonderes Etablissement, denn es verfügt über unendlich viele Zimmer und unendlich viele Betten. Punkt 18:00 Uhr rollt ein gigantischer Reisebus vor. An Bord? Unendlich viele Passagiere. Alle wollen einchecken. Was macht der Portier?“

„Er kündigt?“, schlug Lily trocken vor.

„Fast“, lachte Darin. „Er bleibt cool. Der erste Passagier bekommt Bett Nummer 1, der zweite das 2., der dritte das 3. – und so weiter, bis in die Unendlichkeit. Jeder ist versorgt, Problem gelöst. Alle schlafen.“

„Schön für sie“, brummte Lily. „Aber wo ist der Haken?“

„Der Haken“, übernahm Funny mit leuchtenden Augen, „kommt um 19:00 Uhr. Da hält plötzlich ein zweiter Bus. Wieder mit unendlich vielen Menschen an Bord! Alle Zimmer sind belegt, aber der Manager darf niemanden abweisen. Was tun?“

Lily runzelte die Stirn. Ihre Langeweile war für einen Moment vergessen.

„Wenn schon alle Zimmer unendlich voll sind… kann man niemanden mehr reinquetschen. Die müssen auf dem Flur schlafen.“

„Falsch!“, rief Darin triumphierend. „Die Lösung der Hotelverwaltung war ebenso simpel wie genial. Sie ließen alle Gäste aus dem ersten Bus noch einmal kurz aufstehen. Dann wurde nach dem Reißverschlussverfahren neu verteilt!“

Er schnappte sich ein paar Blaubeeren aus einer Schüssel und legte sie in einer Reihe auf den Tisch.

  • Bett 1: Der 1. Fahrgast aus Bus 1.
  • Bett 2: Der 1. Fahrgast aus Bus 2.
  • Bett 3: Der 2. Fahrgast aus Bus 1.
  • Bett 4: Der 2. Fahrgast aus Bus 2.

„Und so ging das unendlich weiter!“, erklärte Funny. „Auf einmal hatte wieder jeder ein eigenes Bett, obwohl das Hotel eigentlich schon ‚voll‘ war.“

Lily starrte auf die Blaubeeren.

„Okay. Ziemlich cleverer Manager. Aber nervig für die Leute aus Bus 1, die gerade eingeschlafen waren.“

„Oh, es wird noch besser“, sagte Darin und beugte sich über den Tisch. „Als es schließlich 20:00 Uhr schlug, geschah das Unfassbare. Es kam nicht ein Bus. Es kamen unendlich viele Busse, und jeder einzelne war besetzt mit unendlich vielen Passagieren! Alle wollten ins Galaktische Hotel. Wie die clevere Hotelverwaltung diese logistische Meisterleistung am Ende vollbracht hat, überlasse ich deiner Fantasie. Aber glaub mir: Sie haben auch dafür eine Lösung gefunden.“

Es herrschte einen Moment Stille am Frühstückstisch. Lily blinzelte.

„Unendlich viele Busse… mit unendlich vielen Leuten. Das ist doch purer Stress! Wer soll denn da noch den Überblick behalten?“

„Exakt!“, rief Funny und schnippte mit den Fingern. „Und genau das ist der Punkt, Lily. Stell dir mal vor, dieses Galaktische Hotel wäre das Feenland.“

Lily zog skeptisch die Nase kraus.

„Das Feenland? Wie meinst du das?“

„Schau dir an, was wir hier im Feenland normalerweise erleben“, erklärte Darin ruhig. „Meistens herrscht hier das absolute Chaos. Kaum hast du ein Problem gelöst – quasi den ersten Bus untergebracht – kommt ein Kobold-Aufstand, ein verzauberter Wasserfall und eine verschwundene Krone gleichzeitig um die Ecke gebogen. Unendlich viele Aufgaben in unendlich vielen verrückten Bussen, die alle exakt zur selben Zeit von dir gelöst werden wollen.“

Funny nickte nachdrücklich.

„Weißt du noch letzten Monat? Als wir gleichzeitig den Drachen beruhigen, die tanzenden Bäume pflanzen und den Zaubertrank brauen mussten? Das war unser 20:00-Uhr-Moment mit den unendlich vielen Bussen. Wir mussten unsere Aufmerksamkeit nach dem Reißverschlussverfahren aufteilen, und am Ende waren wir völlig erledigt.“

Darin schob Lily den Sirup für ihren Pfannkuchen rüber.

„Was wir dir sagen wollen, Lily: Du beschwerst dich gerade über ein leeres Hotel. Aber ein leeres Hotel bedeutet Frieden. Es bedeutet, dass du nicht aus dem Bett geklingelt wirst, um Platz für unendlich viele verrückte Feenland-Probleme zu machen.“

Lily schaute von Darin zu Funny, dann auf die Blaubeeren, die das kosmische Reißverschlussverfahren darstellten, und schließlich auf ihren Pfannkuchen. Die Frustration in ihrem Gesicht wich langsam einem nachdenklichen Ausdruck, bevor sich ihre Mundwinkel zu einem leichten Schmunzeln hoben.

„Ihr seid echt unmöglich, wisst ihr das?“, murmelte sie, griff nach dem Sirup und ertränkte ihren Pfannkuchen großzügig darin. „Ihr benutzt intergalaktische Mathematik, um mir zu sagen, dass ich einfach mal die Klappe halten und chillen soll.“

„Wir nennen es perspektivische Entspannung“, korrigierte Funny grinsend.

„Na gut“, seufzte Lily, lehnte sich zurück und schnappte sich eine von Darins Reißverschluss-Blaubeeren. „Dann nehme ich jetzt eben mal das Zimmer für den Fahrgast, der absolut gar nichts tun muss. Bitte nicht stören, der Bus hat Pause.“

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