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Idas Traum

19,00 

Roman über die Kraft und Relevanz von Träumen, um Anstrengungen in greifbare Erfolge zu verwandeln. Hardcover, 14,8 x 21 cm, 92 Seiten mit 8 ganzseitigen schwarzweißen Illustrationen für Kinder ab 6 und für Erwachsene

Die schüchterne Ida begegnet beim Versteckspiel einem ebenso scheuem Schmetterling. Sie freunden sich an – und schon bald begleitet sie der Schmetterling überall hin, auch nach Hause oder in die Schule.

Dank ihrer Freundschaft verschwindet Idas Angst, und sie traut sich, auf andere Kinder zuzugehen, mit ihnen zu spielen und Freundschaften zu schließen. Auch in der Schule bekommt sie nun sehr viel Anerkennung, denn neben Fußballspielen kann Ida richtig gut schreiben, vor allem Aufsätze, die die Lehrer begeistern.

Zusammen mit ihren Freunden stellt sie eine Zeitung für Kinder auf die Beine, bei der alle begeistert mitmachen und sehr viel Spaß haben. Sogar die Lokalzeitungsmacher beteiligen sich mit vielen Tipps für die Kinderzeitung und einem Blick hinter die Kulissen.

Später tritt Ida als Drehbuchautorin in die Theater-AG ihrer Schule ein.
Mit der Hilfe eines geheimnisvollen Traumwesens schreibt Ida ein Stück über ein Bücherbett, das alle begeistert und mit Eifer geprobt und inszeniert wird.
Es wird ein voller Erfolg und beflügelt Ida, mit dem Schmetterling an ihrer Seite weiter an der Verwirklichung ihres großen Traumes zu arbeiten.

Titel: Idas Traum
Autorin: Angelika Pauly
Art: A5, Hardcover
Umfang: 92 Seiten
Illustrationen: 8 S/W-Illustrationen im Manga-Stil
Altersempfehlung: ab 6 Jahren

Ida und der Schmetterling

„Guten Morgen, Wurzelzwerg.“

Der Maulwurf streckte sein Schnäuzchen aus dem Erdreich, warf ein wenig Erde auf die Wiese und nickte dem Wurzelzwerg freundlich zu.

„Ein herrlicher Morgen, nicht wahr? Auch wenn ich nicht viel davon sehen kann.“

„Guten Morgen, lieber Maulwurf“, grüßte der Wurzelzwerg zurück, blickte auf, reckte sich, denn er sammelte gerade frische Kräuter für seine Apotheke.

„Wie ist das werte Befinden?“

„Danke, danke, mir geht es gut, aber meine Kinder haben den Schnupfen.“

„Oh, da haben sie sich bestimmt eine Sommergrippe eingefangen“, erwiderte der kleine Doktor bedauernd, „ich mixe dir gleich eine Medizin und Frau Wühlmaus wird sie bringen.“

„Das ist nett von dir, Wurzelzwerg. Wir sind übrigens umgezogen und wohnen jetzt direkt unter dem Apfelbaum.“

Dann winkte der Maulwurf zum Abschied und verschwand im Erdreich.

Der Wurzelzwerg suchte weiter nach Kräutern und entdeckte dabei etwas Weißes unter einem gelben Löwenzahn. Er schob ein paar Grashalme zur Seite und sah einen kleinen Schmetterling unter der Blume hocken.

„Nanu“, sagte er zu ihm. „Was machst du denn hier? Hast du dich verletzt und kannst nicht mehr fliegen? Oder was ist los?“

Der Schmetterling schüttelte seinen kleinen Kopf: „Nein, ich bin ganz gesund, aber ich grusele mich so.“

„Wovor fürchtest du dich denn?“, fragte der Zwerg erstaunt zurück.
„Unsere Wiese ist doch ganz friedlich.“

„Ja, aber die Menschen. Ich grusele mich so vor den Menschen“, flüsterte der Kleine.
„Vor den Menschen?“

Der Wurzelzwerg war sehr erstaunt.

„Soviel ich weiß, mögen die Menschen euch Schmetterlinge sehr gern und freuen sich immer, wenn sie euch sehen.“

„Ja, und gerade das ist es. Sie freuen sich und klatschen in die Hände, bewundern uns sogar.“

„Zu Recht“, meinte der kleine Doktor, „ihr seid ja auch alle wunderschön und tanzt so herrlich in der Sonne. Was wäre der Sommer ohne euch? Ich verstehe die Menschen.“

„Und ich möchte mich am liebsten immer verstecken“, nun weinte der kleine Schmetterling.

Der Wurzelzwerg dachte kurz nach und rief dann: „Du bist schüchtern!“

Und der Schmetterling nickte: „Ich mag nicht bewundert werden. Ja, ich mag noch nicht einmal gesehen werden.“

„Und deshalb versteckst du dich unter dem Löwenzahn …“, antwortete der Zwerg nachdenklich.

Wieder nickte der Schmetterling.

„Das tut mir sehr leid. Ich muss mal überlegen, was dir helfen könnte. Aber nun entschuldige mich bitte, die Kinder des Maulwurfs haben den Schnupfen und ich braue ihnen jetzt eine Kräuter-Medizin. Wir sehen uns später.“

„Ja, bis später!“, rief der Schmetterling. „Ich gehe hier bestimmt nicht weg.“

Der Wurzelzwerg verschwand mit seinen frisch gepflückten Kräutern in seiner Höhle und das kleine Flügeltier versteckte sich wieder unter der kleinen gelben Blume.

Kinderstimmen hallten über die Wiese: „Kommt, wir spielen verstecken!“, und kleine Füße trappelten über das Gras. Ein kleines Mädchen ließ sich, heftig atmend vom Laufen, direkt neben dem kleinen Löwenzahn nieder und hielt sich die Hände vor die Augen. Der Schmetterling sah das mit Erstaunen und zog das Kind ein wenig mehr unter die Blume.

„Danke“, sagte das Mädchen.

„Bitte“, sagte der Schmetterling.

„Ich wusste gar nicht, dass ich so klein bin und unter einen Löwenzahn passe“, wunderte sich das Kind.

„Ich habe ein wenig nachgeholfen“, flüsterte der Schmetterling. „Ich weiß nämlich sehr gut, wie man sich versteckt. Ich bin ja sooo schüchtern.“

„Ach, ich auch“, nun weinte das kleine Mädchen und auch dem Schmetterling traten die Tränen in die Augen. Beide weinten sie eine Zeitlang zusammen, dann trockneten sie mit Grashalmen ihre Tränen und schauten in die Wolken.

„Warum bist du denn so schüchtern?“, fragte das Kind nach einer Weile.

Der Schmetterling zuckte mit seinen kleinen Schultern: „Ich weiß nicht, ich bin wohl schon so geschlüpft. Und du?“

„Bin wohl so geboren, glaube ich“, meinte das Kind und beide schauten weiter versonnen den Wolken nach.

„Ich bin am liebsten für mich alleine“, sagte das Mädchen dann.

„Ich auch“, meinte der Schmetterling.

„Aber meine Mama findet das nicht gut“, erzählte das Kind weiter.

„Ich habe gar keine Mama“, der Schmetterling schaute traurig einer kleinen weißen Wolke nach.

„Du Armer“, das Kind strich dem Schmetterling tröstend über das kleine Köpfchen.

„Ida! Wo bist du? Komm nach Hause, es gibt Abendessen!“, rief eine Frauenstimme.

„Das ist Mama“, sagte das Kind. „Ich muss jetzt nach Hause.“

„Oh nein, dann bin ich wieder ganz alleine“, der Schmetterling zerdrückte ein paar kleine Schmetterlingstränen.

„Du bist doch so gerne alleine“, wunderte sich Ida.

„Ja“, nickte der Schmetterling, „aber nun habe ich doch eine Freundin und jetzt mag ich nicht mehr alleine sein. Bitte bleib hier. Es ist doch so schön unter dem Löwenzahn.“

„Es wird langsam dunkel und ich fürchte mich im Dunkeln und außerdem habe ich Hunger!“, Idas Stimme klang jetzt sehr entschieden.

„Ach ja, ich habe auch den ganzen Tag noch nichts gegessen, war zu sehr mit Verstecken beschäftigt“, bestätigte der Schmetterling.

„Komm doch einfach mit mir“, schlug das Mädchen vor. „Mama hat sicher Spaghetti mit Tomatensauce gekocht, du glaubst nicht, wie lecker die sind. Du kannst von meinem Löffel naschen.“

Der Schmetterling strahlte vor Freude und schlug mit seinen Flügeln.

„Dann komm!“, forderte Ida ihn auf und hielt ihrem Freund den kleinen Finger hin. Der Schmetterling hüpfte darauf und so verließen die beiden nicht mehr ganz so ängstlichen Freunde ihr Versteck und bald konnte man sie am Esstisch von Idas Familie sehen. Das Mädchen hielt Wort und ließ den Schmetterling von ihrem Löffel naschen und bald hielt sich dieser sein Bäuchlein, weil er etwas zu viel gegessen hatte. Das Abendessen war aber auch zu lecker.

„Ida, ab ins Bett!“, erklang nun die energische Stimme von Idas Vater.

„Komm“, flüsterte das Kind dem kleinen Flügeltier zu, „wenn Papa das sagt, gibt es keine Widerrede. Und zusammen gingen Groß und Klein zuerst ins Bad – ja, auch der Schmetterling musste Zähne putzen, Ida bestand darauf – und dann in Idas Zimmer.

„Ich darf abends immer noch etwas lesen, bis Mama kommt und das Licht ausmacht“, erklärte Ida.

„Ich kann nicht lesen“, die Stimme ihres Freundes klang bedauernd.

„Du bist ja auch ein Schmetterling“, wurde er getröstet und dann hüpfte er wieder auf Idas kleinen Finger und sah sich die Bilder in dem hübschen Kinderbuch an. Ja, Ida las ihm sogar eine kleine Geschichte vor.

„Jetzt wird aber geschlafen!“, Mama kam, gab Ida einen Kuss und knipste das Licht aus.
Müde legte das Kind seinen Kopf auf das Kopfkissen und auch dem Schmetterling fielen die kleinen Augen zu. ‚Es ist richtig schön, einen Freund zu haben und nicht alleine zu sein‘, dachte er noch, kurz bevor er einschlief. Und wisst ihr was? Ida dachte genau dasselbe … aber ich glaube, das ist immer so bei wirklich guten Freunden.

Ida und der Schmetterling in der Schule

Am nächsten Morgen ging es erst einmal wieder ins Bad. Während Ida sich die Zähne putzte, plantschte der Schmetterling in einer kleinen Wasserpfütze, die das Mädchen auf dem Waschbecken hinterlassen hatte.

„Weißt du, was ich nicht verstehe?“, sagte Ida mit ganz viel Zahnpasta-Schaum im Mund. „Ich verstehe nicht, dass meine Mutter gar nichts zu dir gesagt hat. Sie muss dich doch gesehen haben.“

„Hm …“, meinte der Schmetterling.

„Also, ich verstehe es nicht. Kannst du mir das erklären?“, Ida schaute ihren kleinen Freund erwartungsvoll an.

„Nein“, antwortete dieser, „aber ich weiß, wen wir fragen können.“

„Wen denn?“, fragte Ida und spülte ihren Mund aus.“

„Den Wurzelzwerg auf der Wiese.“

„Wer ist das denn?“, fragte Ida erstaunt.

„Ich stelle ihn dir vor“, erwiderte der kleine Schmetterling.

„Gut“, sagte Ida, aber jetzt muss ich in die Schule.

„Darf ich mitkommen?“, bat ihr Freund.

„Ja, natürlich“, lachte Ida, „Lernen hat noch niemandem geschadet.“

Und so gingen Ida und der Schmetterling zusammen in die Schule. Ida setzte sich auf ihren Platz, lernte fleißig, schrieb Buchstaben und Zahlen in ihre Schulhefte, übte das Lesen und turnte im Sportunterricht, dass es eine Freude war. Mittags ging es wieder nach Hause zum Mittagessen. Der Schmetterling hatte die ganze Zeit auf ihrem kleinen Finger gesessen und fand die ganze Schule hochinteressant.

„Weißt du“, sagte er zu Ida während des Mittagessens, „ich würde auch gerne in eine Schmetterlings-Schule gehen.“

„Vielleicht gibt es die“, flüsterte Ida ihm zu und ließ ihn von ihrem Suppenlöffel naschen. „Vielleicht weiß das auch der Wurzelzwerg.“

Am Nachmittag schickte die Mutter Ida wieder hinaus auf die Wiese zum Spielen. Die anderen Kinder riefen: „Ida, wir spielen wieder Verstecken. Machst du mit?“

Ida erschrak und schüttelte den Kopf.

„Ach, die hat ja wieder Angst“, lachten die Kinder und wandten sich ab.

Der Schmetterling versteckte sich unter dem Löwenzahn und zog Ida zu sich herunter, so konnte sie prima schrumpfen.

„Gerade noch mal gut gegangen“, keuchte Ida und schloss die Augen.

„Ja, das war knapp“, meinte ihr kleiner Freund. „Aber jetzt müssen wir den Wurzelzwerg suchen. Ich weiß, dass er hier irgendwo seine Höhle hat, aber ich weiß nicht genau wo. Wir sollten jemanden fragen.“

In diesem Augenblick lief die kleine Wühlmaus vorbei und der Schmetterling sprach sie an: „Frau Wühlmaus, wissen Sie vielleicht, wo der Wurzelzwerg wohnt? Wir müssen ihn unbedingt etwas fragen.“

Die Wühlmaus blieb schwer atmend stehen: „Ich bin gerade auf dem Weg zu ihm, muss neue Medizin für die Kinder vom Maulwurf holen. Kommt doch einfach mit.“

Die Maus rannte wieder los und Ida und der Schmetterling liefen hinter ihr her. Kurz vor einer Mauer hielt die Maus an: „Hier geht es nun unter die Erde. Festhalten, es ist etwas rutschig.“

Nun rutschten die Drei hinab in die Höhle des Wurzelzwergs. Dieser stand an einem kleinen Herd und braute Medizin. Freundlich, aber auch erstaunt, begrüßte er seinen Besuch und reichte der Wühlmaus sofort eine kleine Flasche mit Medizin: „Hier, Wühlmaus, es ist eilig. Aber das weißt du ja. Schnell zum Maulwurf damit.“

Die Maus schnallte sich die Medizinflasche auf den Rücken, nickte kurz zum Abschied, krabbelte den Höhleneingang hinaus und lief zur Maulwurfshöhle.

„Und nun zu euch“, wandte sich der kleine Doktor Ida und dem Schmetterling zu. „Was ist der Anlass eures Besuches. Seid ihr krank und braucht Medizin?“

„Nein“, erwiderte das Flügeltier, „wir möchten dich etwas fragen.“

„Nur raus damit“, lächelte der Zwerg und setze sich auf einen kunstvoll aus Grashalmen geflochtenen Stuhl. Auch sein Besuch ließ sich auf kleinen Stühlen nieder und der Schmetterling stellte seine Frage: „Warum können die Menschen mich nicht sehen, wenn ich mit Ida unterwegs bin? Ich hocke doch auf ihrem kleinen Finger und sie gibt mir zu essen, wir putzen uns abends zusammen die Zähne und morgens bin ich mit ihr zusammen in der Schule.“

Der Wurzelzwerg dachte nach, brummte ein wenig und antwortete dann: „Das kommt daher, dass ihr zusammen in einem Traum seid und der ist von außen nicht zu sehen. Menschen können die Träume von anderen nicht sehen, aber sie können sie zerstören, wenn sie daran stoßen. Ihr müsst euch das wie bei den Seifenblasen vorstellen. Diese schweben buntschillernd durch die Luft, doch wenn sie aneinander- oder an irgendetwas stoßen, zerplatzen sie. So sind Träume, buntschillernd, aber sie zerplatzen leicht. Passt auf euren Traum auf!“

Ida und der Schmetterling nickten verstehend, bedankten sich und bekamen für den Heimweg noch eine Flasche mit Hustensaft – für alle Fälle – vom Wurzelzwerg mitgegeben.

Draußen in der Sonne spielten die Kinder, aber sie konnten Ida und ihren Freund nicht sehen, sie waren viel zu klein. So marschierten sie unbekümmert wieder zu ihrem Löwenzahn, verkrochen und versteckten sich, bis der Abend kam und die Mutter Ida ins Haus rief.

„Na, hast du auch schön mit den anderen Kindern gespielt?“, fragte diese ihre Tochter beim Abendessen und Ida ballte unter dem Tisch ihre linke Hand zu einer Faust, zum Zeichen, dass sie ihren Traum behütete, und nickte stumm.

Und der Schmetterling, der auf ihrem kleinen Zeigefinger hockte, machte das Gleiche … wie es Freunde eben tun …

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Philippinenhof 6a
15374 Müncheberg

Idas Traum

19,00 

Roman über die Kraft und Relevanz von Träumen, um Anstrengungen in greifbare Erfolge zu verwandeln. Hardcover, 14,8 x 21 cm, 92 Seiten mit 8 ganzseitigen schwarzweißen Illustrationen für Kinder ab 6 und für Erwachsene

Die schüchterne Ida begegnet beim Versteckspiel einem ebenso scheuem Schmetterling. Sie freunden sich an – und schon bald begleitet sie der Schmetterling überall hin, auch nach Hause oder in die Schule.

Dank ihrer Freundschaft verschwindet Idas Angst, und sie traut sich, auf andere Kinder zuzugehen, mit ihnen zu spielen und Freundschaften zu schließen. Auch in der Schule bekommt sie nun sehr viel Anerkennung, denn neben Fußballspielen kann Ida richtig gut schreiben, vor allem Aufsätze, die die Lehrer begeistern.

Zusammen mit ihren Freunden stellt sie eine Zeitung für Kinder auf die Beine, bei der alle begeistert mitmachen und sehr viel Spaß haben. Sogar die Lokalzeitungsmacher beteiligen sich mit vielen Tipps für die Kinderzeitung und einem Blick hinter die Kulissen.

Später tritt Ida als Drehbuchautorin in die Theater-AG ihrer Schule ein.
Mit der Hilfe eines geheimnisvollen Traumwesens schreibt Ida ein Stück über ein Bücherbett, das alle begeistert und mit Eifer geprobt und inszeniert wird.
Es wird ein voller Erfolg und beflügelt Ida, mit dem Schmetterling an ihrer Seite weiter an der Verwirklichung ihres großen Traumes zu arbeiten.

Titel: Idas Traum
Autorin: Angelika Pauly
Art: A5, Hardcover
Umfang: 92 Seiten
Illustrationen: 8 S/W-Illustrationen im Manga-Stil
Altersempfehlung: ab 6 Jahren

Ida und der Schmetterling

„Guten Morgen, Wurzelzwerg.“

Der Maulwurf streckte sein Schnäuzchen aus dem Erdreich, warf ein wenig Erde auf die Wiese und nickte dem Wurzelzwerg freundlich zu.

„Ein herrlicher Morgen, nicht wahr? Auch wenn ich nicht viel davon sehen kann.“

„Guten Morgen, lieber Maulwurf“, grüßte der Wurzelzwerg zurück, blickte auf, reckte sich, denn er sammelte gerade frische Kräuter für seine Apotheke.

„Wie ist das werte Befinden?“

„Danke, danke, mir geht es gut, aber meine Kinder haben den Schnupfen.“

„Oh, da haben sie sich bestimmt eine Sommergrippe eingefangen“, erwiderte der kleine Doktor bedauernd, „ich mixe dir gleich eine Medizin und Frau Wühlmaus wird sie bringen.“

„Das ist nett von dir, Wurzelzwerg. Wir sind übrigens umgezogen und wohnen jetzt direkt unter dem Apfelbaum.“

Dann winkte der Maulwurf zum Abschied und verschwand im Erdreich.

Der Wurzelzwerg suchte weiter nach Kräutern und entdeckte dabei etwas Weißes unter einem gelben Löwenzahn. Er schob ein paar Grashalme zur Seite und sah einen kleinen Schmetterling unter der Blume hocken.

„Nanu“, sagte er zu ihm. „Was machst du denn hier? Hast du dich verletzt und kannst nicht mehr fliegen? Oder was ist los?“

Der Schmetterling schüttelte seinen kleinen Kopf: „Nein, ich bin ganz gesund, aber ich grusele mich so.“

„Wovor fürchtest du dich denn?“, fragte der Zwerg erstaunt zurück.
„Unsere Wiese ist doch ganz friedlich.“

„Ja, aber die Menschen. Ich grusele mich so vor den Menschen“, flüsterte der Kleine.
„Vor den Menschen?“

Der Wurzelzwerg war sehr erstaunt.

„Soviel ich weiß, mögen die Menschen euch Schmetterlinge sehr gern und freuen sich immer, wenn sie euch sehen.“

„Ja, und gerade das ist es. Sie freuen sich und klatschen in die Hände, bewundern uns sogar.“

„Zu Recht“, meinte der kleine Doktor, „ihr seid ja auch alle wunderschön und tanzt so herrlich in der Sonne. Was wäre der Sommer ohne euch? Ich verstehe die Menschen.“

„Und ich möchte mich am liebsten immer verstecken“, nun weinte der kleine Schmetterling.

Der Wurzelzwerg dachte kurz nach und rief dann: „Du bist schüchtern!“

Und der Schmetterling nickte: „Ich mag nicht bewundert werden. Ja, ich mag noch nicht einmal gesehen werden.“

„Und deshalb versteckst du dich unter dem Löwenzahn …“, antwortete der Zwerg nachdenklich.

Wieder nickte der Schmetterling.

„Das tut mir sehr leid. Ich muss mal überlegen, was dir helfen könnte. Aber nun entschuldige mich bitte, die Kinder des Maulwurfs haben den Schnupfen und ich braue ihnen jetzt eine Kräuter-Medizin. Wir sehen uns später.“

„Ja, bis später!“, rief der Schmetterling. „Ich gehe hier bestimmt nicht weg.“

Der Wurzelzwerg verschwand mit seinen frisch gepflückten Kräutern in seiner Höhle und das kleine Flügeltier versteckte sich wieder unter der kleinen gelben Blume.

Kinderstimmen hallten über die Wiese: „Kommt, wir spielen verstecken!“, und kleine Füße trappelten über das Gras. Ein kleines Mädchen ließ sich, heftig atmend vom Laufen, direkt neben dem kleinen Löwenzahn nieder und hielt sich die Hände vor die Augen. Der Schmetterling sah das mit Erstaunen und zog das Kind ein wenig mehr unter die Blume.

„Danke“, sagte das Mädchen.

„Bitte“, sagte der Schmetterling.

„Ich wusste gar nicht, dass ich so klein bin und unter einen Löwenzahn passe“, wunderte sich das Kind.

„Ich habe ein wenig nachgeholfen“, flüsterte der Schmetterling. „Ich weiß nämlich sehr gut, wie man sich versteckt. Ich bin ja sooo schüchtern.“

„Ach, ich auch“, nun weinte das kleine Mädchen und auch dem Schmetterling traten die Tränen in die Augen. Beide weinten sie eine Zeitlang zusammen, dann trockneten sie mit Grashalmen ihre Tränen und schauten in die Wolken.

„Warum bist du denn so schüchtern?“, fragte das Kind nach einer Weile.

Der Schmetterling zuckte mit seinen kleinen Schultern: „Ich weiß nicht, ich bin wohl schon so geschlüpft. Und du?“

„Bin wohl so geboren, glaube ich“, meinte das Kind und beide schauten weiter versonnen den Wolken nach.

„Ich bin am liebsten für mich alleine“, sagte das Mädchen dann.

„Ich auch“, meinte der Schmetterling.

„Aber meine Mama findet das nicht gut“, erzählte das Kind weiter.

„Ich habe gar keine Mama“, der Schmetterling schaute traurig einer kleinen weißen Wolke nach.

„Du Armer“, das Kind strich dem Schmetterling tröstend über das kleine Köpfchen.

„Ida! Wo bist du? Komm nach Hause, es gibt Abendessen!“, rief eine Frauenstimme.

„Das ist Mama“, sagte das Kind. „Ich muss jetzt nach Hause.“

„Oh nein, dann bin ich wieder ganz alleine“, der Schmetterling zerdrückte ein paar kleine Schmetterlingstränen.

„Du bist doch so gerne alleine“, wunderte sich Ida.

„Ja“, nickte der Schmetterling, „aber nun habe ich doch eine Freundin und jetzt mag ich nicht mehr alleine sein. Bitte bleib hier. Es ist doch so schön unter dem Löwenzahn.“

„Es wird langsam dunkel und ich fürchte mich im Dunkeln und außerdem habe ich Hunger!“, Idas Stimme klang jetzt sehr entschieden.

„Ach ja, ich habe auch den ganzen Tag noch nichts gegessen, war zu sehr mit Verstecken beschäftigt“, bestätigte der Schmetterling.

„Komm doch einfach mit mir“, schlug das Mädchen vor. „Mama hat sicher Spaghetti mit Tomatensauce gekocht, du glaubst nicht, wie lecker die sind. Du kannst von meinem Löffel naschen.“

Der Schmetterling strahlte vor Freude und schlug mit seinen Flügeln.

„Dann komm!“, forderte Ida ihn auf und hielt ihrem Freund den kleinen Finger hin. Der Schmetterling hüpfte darauf und so verließen die beiden nicht mehr ganz so ängstlichen Freunde ihr Versteck und bald konnte man sie am Esstisch von Idas Familie sehen. Das Mädchen hielt Wort und ließ den Schmetterling von ihrem Löffel naschen und bald hielt sich dieser sein Bäuchlein, weil er etwas zu viel gegessen hatte. Das Abendessen war aber auch zu lecker.

„Ida, ab ins Bett!“, erklang nun die energische Stimme von Idas Vater.

„Komm“, flüsterte das Kind dem kleinen Flügeltier zu, „wenn Papa das sagt, gibt es keine Widerrede. Und zusammen gingen Groß und Klein zuerst ins Bad – ja, auch der Schmetterling musste Zähne putzen, Ida bestand darauf – und dann in Idas Zimmer.

„Ich darf abends immer noch etwas lesen, bis Mama kommt und das Licht ausmacht“, erklärte Ida.

„Ich kann nicht lesen“, die Stimme ihres Freundes klang bedauernd.

„Du bist ja auch ein Schmetterling“, wurde er getröstet und dann hüpfte er wieder auf Idas kleinen Finger und sah sich die Bilder in dem hübschen Kinderbuch an. Ja, Ida las ihm sogar eine kleine Geschichte vor.

„Jetzt wird aber geschlafen!“, Mama kam, gab Ida einen Kuss und knipste das Licht aus.
Müde legte das Kind seinen Kopf auf das Kopfkissen und auch dem Schmetterling fielen die kleinen Augen zu. ‚Es ist richtig schön, einen Freund zu haben und nicht alleine zu sein‘, dachte er noch, kurz bevor er einschlief. Und wisst ihr was? Ida dachte genau dasselbe … aber ich glaube, das ist immer so bei wirklich guten Freunden.

Ida und der Schmetterling in der Schule

Am nächsten Morgen ging es erst einmal wieder ins Bad. Während Ida sich die Zähne putzte, plantschte der Schmetterling in einer kleinen Wasserpfütze, die das Mädchen auf dem Waschbecken hinterlassen hatte.

„Weißt du, was ich nicht verstehe?“, sagte Ida mit ganz viel Zahnpasta-Schaum im Mund. „Ich verstehe nicht, dass meine Mutter gar nichts zu dir gesagt hat. Sie muss dich doch gesehen haben.“

„Hm …“, meinte der Schmetterling.

„Also, ich verstehe es nicht. Kannst du mir das erklären?“, Ida schaute ihren kleinen Freund erwartungsvoll an.

„Nein“, antwortete dieser, „aber ich weiß, wen wir fragen können.“

„Wen denn?“, fragte Ida und spülte ihren Mund aus.“

„Den Wurzelzwerg auf der Wiese.“

„Wer ist das denn?“, fragte Ida erstaunt.

„Ich stelle ihn dir vor“, erwiderte der kleine Schmetterling.

„Gut“, sagte Ida, aber jetzt muss ich in die Schule.

„Darf ich mitkommen?“, bat ihr Freund.

„Ja, natürlich“, lachte Ida, „Lernen hat noch niemandem geschadet.“

Und so gingen Ida und der Schmetterling zusammen in die Schule. Ida setzte sich auf ihren Platz, lernte fleißig, schrieb Buchstaben und Zahlen in ihre Schulhefte, übte das Lesen und turnte im Sportunterricht, dass es eine Freude war. Mittags ging es wieder nach Hause zum Mittagessen. Der Schmetterling hatte die ganze Zeit auf ihrem kleinen Finger gesessen und fand die ganze Schule hochinteressant.

„Weißt du“, sagte er zu Ida während des Mittagessens, „ich würde auch gerne in eine Schmetterlings-Schule gehen.“

„Vielleicht gibt es die“, flüsterte Ida ihm zu und ließ ihn von ihrem Suppenlöffel naschen. „Vielleicht weiß das auch der Wurzelzwerg.“

Am Nachmittag schickte die Mutter Ida wieder hinaus auf die Wiese zum Spielen. Die anderen Kinder riefen: „Ida, wir spielen wieder Verstecken. Machst du mit?“

Ida erschrak und schüttelte den Kopf.

„Ach, die hat ja wieder Angst“, lachten die Kinder und wandten sich ab.

Der Schmetterling versteckte sich unter dem Löwenzahn und zog Ida zu sich herunter, so konnte sie prima schrumpfen.

„Gerade noch mal gut gegangen“, keuchte Ida und schloss die Augen.

„Ja, das war knapp“, meinte ihr kleiner Freund. „Aber jetzt müssen wir den Wurzelzwerg suchen. Ich weiß, dass er hier irgendwo seine Höhle hat, aber ich weiß nicht genau wo. Wir sollten jemanden fragen.“

In diesem Augenblick lief die kleine Wühlmaus vorbei und der Schmetterling sprach sie an: „Frau Wühlmaus, wissen Sie vielleicht, wo der Wurzelzwerg wohnt? Wir müssen ihn unbedingt etwas fragen.“

Die Wühlmaus blieb schwer atmend stehen: „Ich bin gerade auf dem Weg zu ihm, muss neue Medizin für die Kinder vom Maulwurf holen. Kommt doch einfach mit.“

Die Maus rannte wieder los und Ida und der Schmetterling liefen hinter ihr her. Kurz vor einer Mauer hielt die Maus an: „Hier geht es nun unter die Erde. Festhalten, es ist etwas rutschig.“

Nun rutschten die Drei hinab in die Höhle des Wurzelzwergs. Dieser stand an einem kleinen Herd und braute Medizin. Freundlich, aber auch erstaunt, begrüßte er seinen Besuch und reichte der Wühlmaus sofort eine kleine Flasche mit Medizin: „Hier, Wühlmaus, es ist eilig. Aber das weißt du ja. Schnell zum Maulwurf damit.“

Die Maus schnallte sich die Medizinflasche auf den Rücken, nickte kurz zum Abschied, krabbelte den Höhleneingang hinaus und lief zur Maulwurfshöhle.

„Und nun zu euch“, wandte sich der kleine Doktor Ida und dem Schmetterling zu. „Was ist der Anlass eures Besuches. Seid ihr krank und braucht Medizin?“

„Nein“, erwiderte das Flügeltier, „wir möchten dich etwas fragen.“

„Nur raus damit“, lächelte der Zwerg und setze sich auf einen kunstvoll aus Grashalmen geflochtenen Stuhl. Auch sein Besuch ließ sich auf kleinen Stühlen nieder und der Schmetterling stellte seine Frage: „Warum können die Menschen mich nicht sehen, wenn ich mit Ida unterwegs bin? Ich hocke doch auf ihrem kleinen Finger und sie gibt mir zu essen, wir putzen uns abends zusammen die Zähne und morgens bin ich mit ihr zusammen in der Schule.“

Der Wurzelzwerg dachte nach, brummte ein wenig und antwortete dann: „Das kommt daher, dass ihr zusammen in einem Traum seid und der ist von außen nicht zu sehen. Menschen können die Träume von anderen nicht sehen, aber sie können sie zerstören, wenn sie daran stoßen. Ihr müsst euch das wie bei den Seifenblasen vorstellen. Diese schweben buntschillernd durch die Luft, doch wenn sie aneinander- oder an irgendetwas stoßen, zerplatzen sie. So sind Träume, buntschillernd, aber sie zerplatzen leicht. Passt auf euren Traum auf!“

Ida und der Schmetterling nickten verstehend, bedankten sich und bekamen für den Heimweg noch eine Flasche mit Hustensaft – für alle Fälle – vom Wurzelzwerg mitgegeben.

Draußen in der Sonne spielten die Kinder, aber sie konnten Ida und ihren Freund nicht sehen, sie waren viel zu klein. So marschierten sie unbekümmert wieder zu ihrem Löwenzahn, verkrochen und versteckten sich, bis der Abend kam und die Mutter Ida ins Haus rief.

„Na, hast du auch schön mit den anderen Kindern gespielt?“, fragte diese ihre Tochter beim Abendessen und Ida ballte unter dem Tisch ihre linke Hand zu einer Faust, zum Zeichen, dass sie ihren Traum behütete, und nickte stumm.

Und der Schmetterling, der auf ihrem kleinen Zeigefinger hockte, machte das Gleiche … wie es Freunde eben tun …

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