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Adiuva et Protege Adventskalender – 12.12. – Discokugel

So stürmisch der vergangene Tag gewesen war, so strahlend klar und ruhig präsentierte sich der heutige Morgen.

Funny öffnete die Augen. Die Wintersonne kitzelte sie an der Nase. Sie und Lily hatten heute ausgeschlafen – so richtig. Nach der Lawinen-Rettung hatten sie sich das verdient. Sie zog sich an und ging die Treppe hinunter. Sie wusste: Da es bereits nach Kaffee und Brötchen duftete, war Darin definitiv schon wach.

Und richtig, als sie die Küche betrat, stand bereits eine dampfende Tasse auf ihrem Platz. Darin saß am Tisch, ein Buch über Thermodynamik vor sich, und blickte auf, als sie hereinkam. Ein warmes Lächeln huschte über sein Gesicht.

Funny setzte sich und ein wohliges Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus. Sie dachte an den gestrigen Abend zurück. Wie sie alle drei vor dem Kamin gesessen hatten. Darin hatte weder ihre Hand noch die von Lily loslassen wollen. Sie verstand seine Angst. Der Beruf eines Wächters war gefährlich. Und nach dem Vorfall auf dem Schiff, als Lily sich in den Feuerball geworfen hatte und des gestrigen „Höhlenabenteuers“ war ihnen allen klar geworden, wie schnell es vorbei sein konnte. Regel 32: Genieße die kleinen Dinge. Und heute war das kleine Ding dieser perfekte Kaffee.

Darin beobachtete sie. Es passierte nicht oft, dass Funny so tief in Gedanken versunken war. Er genoss den Moment der Stille.

Dann wurde die Stille jäh unterbrochen. Schlurf. Polter. Schlurf. Etwas landete mit einem dumpfen Plumps auf dem Stuhl neben Funny. Lily. Auch ihr schob Darin wortlos eine Tasse hin.

Funny lächelte, trank ihren letzten Schluck und holte die Brötchen aus dem Ofen. Es war ein seltener, friedlicher Morgen.

Bis es an der Tür klopfte.

Es war kein normales Klopfen. Es war ein rhythmisches, fast aristokratisches sehr energisches Poch-Poch-Poch. Funny ging zur Tür und öffnete sie. Vor ihr stand ein Mann. Er trug einen makellosen schwarzen Anzug und ein langes, schwarzes Cape mit rotem Innenfutter. Seine Haut war so blass wie Marmor, seine Augen dunkel und unergründlich. Eine Aura von Eleganz und uralter Gefahr umgab ihn.

Funny spürte sofort, dass hier etwas anders war.

„Darin? Kommst du mal?“ rief sie, die Stimme kontrolliert, aber angespannt.

Darin erschien im Flur. Als er den Gast sah, verengten sich seine Augen hinter der Brille. Er zog sofort Funny von der Tür weg. Hinter ihr tauchte Lily auf. Sie sah den Besucher. Sie sah den Charme, das dunkle Versprechen in seinen Augen. Wie magisch angezogen wollte sie an Darin vorbei auf ihn zustürzen.

„Oh, hallo! Kommen Sie doch…“

Darin reagierte blitzschnell. Er schob sich zwischen Lily und den Besucher, eine Hand ausgestreckt, um sie auf Abstand zu halten. Er verneigte sich leicht, sah dem Fremden aber nicht direkt in die Augen.

„Komm herein. Sei unser Gast und Freund, bis sich unsere Wege wieder trennen.“

Der Besucher lächelte, und spitze Eckzähne blitzten kurz auf. Er erwiderte die Verbeugung tief.

„Vielen Dank. Ich gelobe, dein Haus und deine Bewohner zu ehren und zu achten und gegen jeden Feind zu verteidigen, bis sich unsere Wege wieder trennen.“

Ein kalter Schauer lief Lily über den Rücken. Erst jetzt, als die uralte Formel gesprochen war und der Bezirzungszauber von ihr abfiel wie ein schwerer Vorhang, realisierte sie, wer da vor ihr stand. Ein Vampir.

Der Besucher richtete sich auf und zwinkerte Lily zu.

„Ich sehe, zwei von euch kennen sich mit den alten Gesetzen aus. Du, junge Dame, sei unbesorgt. Ich bin an meinen Schwur gebunden.“

Darin bat ihn ins Wohnzimmer. Während Funny und Lily sich auf Darins Geheiss im Hintergrund hielten, setzte sich Darin dem Gast gegenüber.

„Was kann ich für Euch tun?“ fragte Darin höflich.

Der Vampir legte die Fingerspitzen aneinander.

„Ich bin Borzirow. Ich bin der Bürgermeister der kleinen Vampirstadt im Osten. Und wir haben ein Problem.“

„Nur eines?“ rutschte es Lily heraus. „Ist Vampirsein nicht schon Problem genug?“

„Lily!“ zischte Funny. „Du bist unmöglich!“

Borzirow lachte leise, ein trockenes, rasselndes Geräusch. „Fräulein Funny, machen Sie sich keine Gedanken. Irgendwie hat Fräulein Lily ja recht. Aber dieses Problem ist… speziell.“

Er räusperte sich.

„Bei uns geht eine Krankheit um. Normalerweise zerfallen wir im Sonnenlicht zu Staub. Aber wir nutzen seit Jahrhunderten eine spezielle Sonnencreme. Ein magischer Sunblocker.“

Lily kicherte in ihre Hand.

„Lichtschutzfaktor 10.000?“

„So ungefähr“, lächelte Borzirow. „Aber neuerdings gibt es Nebenwirkungen. Vampire, die sich eine Weile in der Sonne aufgehalten haben, fangen an zu… glitzern. Sie schillern bunt und leuchten wie Diamanten.“

Lily prustete los.

„Funny, hörst du das? Ein Discokugel-Zauber!“

Borzirow seufzte leidend.

„Für Sie mag das lustig klingen. Für uns stolze Kinder der Nacht ist es der absolute Image-GAU. Viele trauen sich vor Scham nicht mehr aus dem Haus. Aber das Schlimmste ist: Wir jagen Wildtiere. Wir nennen es ‚Blutspende‘ – wir betäuben sie, nehmen einen Schluck und lassen sie laufen. Aber wenn man leuchtet wie ein Leuchtturm, sehen einen die Rehe schon von Weitem.“

Sein Gesicht wurde ernst.

„Meine Leute hungern. Und die, die sich nicht raustrauen, werden irgendwann verhungern.“

Funny setzte sich vorsichtig neben Darin. Ihr analytischer Verstand arbeitete bereits.

„Wann fing es an?“, fragte sie, den Blick auf die Tischplatte gesenkt.

„Wir wissen es nicht genau.“

Darin übernahm.

„Ich brauche eine Probe der Sonnencreme. Eine Blutprobe eines Erkrankten. Eine Blutprobe eines Gesunden und eine Hautprobe.“

Borzirow schlug sein Cape zurück und holte einen kleinen Reagenzglasständer hervor.

„Ich habe gehofft, dass Ihr danach fragt.“

Darin nahm die Gläser entgegen und reichte sie an Funny weiter.

„Gibt es irgendetwas Ungewöhnliches? Neue Tiere? Haben sich die Pflanzenfresser anders ernährt?“, fragte Darin.

Borzirow überlegte.

„Neue Tiere… nein. Pflanzen… hmmm. Nicht, dass ich wüsste.“

Funny stand auf.

„Darin, ich gehe mit Lily ins Labor. Vielleicht fällt dir im Gespräch noch etwas ein.“

Darin nickte.

„Lily? Kommst du?“

Lily rührte sich nicht. Sie saß am Tisch, das Kinn auf die Hände gestützt, und starrte Borzirow mit glasigem, verträumtem Blick an.

„Er hat so schöne Augen…“, murmelte sie.

Darin wurde laut. Sehr laut.

„LILY! FUNNY BRAUCHT DEINE HILFE IM LABOR!“

Lily zuckte zusammen, als hätte man sie geohrfeigt. Sie blinzelte verwirrt, schüttelte den Kopf und sah Funny an.

„Hä? Was?“

Funny griff ihren Arm und zog sie energisch mit sich.


Im Labor

Kaum war die schwere Kellertür hinter ihnen ins Schloss gefallen, explodierte Lily.

„Was fällt Darin eigentlich ein?! Uns wie unmündige Kinder zu behandeln! Und wieso lässt du ihm das durchgehen?“

Ruhig sortierte Funny die Reagenzgläser für die Analyse.

„Darin tut das zu unserem Schutz, Li-chan. Ist dir die Veränderung nicht aufgefallen, als die beiden die Begrüßungsformel gesprochen haben?“

Lily stutzte.

„Ja… irgendwie war es so, als ob ein schwerer Druck von mir gefallen wäre. Und ich habe den Vampir erkannt.“

„Richtig. Das ist der Bezirzungszauber. Er geht passiv von jedem Vampir aus. Wenn wir ihm die Hand geben oder ihm zu lange in die Augen schauen, verfallen wir ihm. Du warst gerade kurz davor, komplett in Trance zu fallen. Hätte Darin dich nicht angeschrien, wärst du Borzirow verfallen.“

Funny schauderte.

„Und das hätte Borzirow unendlich traurig gemacht. Er will niemandem schaden.“

Lily wurde still. Sie setzte sich auf einen Hocker in die Ecke.

„Vielleicht sollte ich doch mal das Buch über ‚Völker Feenlands‘ lesen…“

Zwei Stunden vergingen. Funny analysierte, destillierte und verglich. Oben im Wohnzimmer unterhielten sich Darin und Borzirow über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Magie von Blumenelfen und Vampiren.


Die Lösung

Irgendwann kam Funny mit einem Pergament in der Hand zurück ins Wohnzimmer.

„Lily sitzt in der Bibliothek und liest“, sagte sie kurz.

Borzirow lächelte fein.

„Das rothaarige Fräulein bildet sich fort. Löblich.“

Funny vermied strikt den Blickkontakt zum Vampir und sprach nur zu Darin.

„Ich hab was gefunden.“

„Sonnenbeeren?“ fragte Darin sofort.

„Exakt. Die Sonnencreme ist sauber. Aber im Blut der Erkrankten habe ich eine Substanz gefunden, die mit dem Blocker reagiert. Es sind Rückstände von Sonnenbeeren.“

Darin nickte und wandte sich an Borzirow.

„Sonnenbeeren vermehren sich nach heißen Sommern stark. Die Wildtiere fressen sie. Die magischen Rückstände lagern sich in der Haut der Tiere ab. Wenn eure Vampire zubeißen, nehmen sie diese Rückstände auf. Sie lagern sich wiederum in eurer Haut ab. Und in Kombination mit dem Sonnenblocker… Puff. Discokugel.“

Borzirow starrte die beiden Elfen mit offenem Mund an.

„Unglaublich. So viel Wissen in so jungen Köpfen.“

Er beugte sich vor.

„Und haben Sie vielleicht auch eine Lösung?“, fragte er hoffnungsvoll.

„Ganz einfach“, sagte Funny und reichte das Pergament an Darin weiter (Sicherheitsabstand!). „Jede magische Pflanze hat ein Gegenstück. Hier ist es die Nachtbeere.“

„Die wächst in dunklen Höhlen“, ergänzte Darin.

Borzirow strahlte.

„Die haben wir massenhaft! Wir dachten, das sei Unkraut!“

„Auf dem Pergament steht ein Rezept für eine Tinktur“, erklärte Funny. „Einreiben, einwirken lassen. Das Glitzern sollte sofort verschwinden.“

Darin reichte das Pergament an Borzirow. Der Vampir faltete es ehrfürchtig zusammen.

„Ich danke euch.“

Er griff noch einmal in sein Cape. Er holte drei kleine, goldene Anhänger in Form von Fledermäusen hervor.

„Für jeden von euch einen. Das sind Talismane. Sie schützen vor dem vampirischen Verführungszauber. Aber sie wirken nur, wenn der Träger zuvor eine gute Tat für unser Volk vollbracht hat. Deshalb kann ich sie euch erst jetzt geben.“

Er überreichte Darin zusätzlich ein altes, ledergebundenes Buch.

„Eine Sammlung vampirischer Runenmagie. Ich dachte mir, das könnte Euch interessieren.“

Darins Augen leuchteten auf.

Borzirow stand auf und verneigte sich tief.

„Es war mir eine Ehre. Adiuva et Protege macht seinem Ruf alle Ehre.“

Dann gab es ein leises Puff. Wo eben noch der Mann stand, flatterte eine kleine Fledermaus. Funny riss geistesgegenwärtig das Fenster auf. Die Fledermaus zwitscherte kurz und segelte hinaus in die klare Winterluft.

Darin und Funny sahen ihr nach. Dann kam Lily aus der Bibliothek geschlurft, ein dickes Buch unter dem Arm.

„Ist er weg?“

„Ja“, sagte Funny.

„Schade“, seufzte Lily. „Aber vielleicht auch besser so. ich halte viel lieber Händchen mit Darin.“

„LILY!“, kam es empört von Funny.

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Kommentare

Eine Antwort zu „Adiuva et Protege Adventskalender – 12.12. – Discokugel“

  1. Avatar von Ursula
    Ursula

    Sehr interessante Vampirgeschichte. Ganz zauberhaft.

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Adiuva et Protege Adventskalender – 12.12. – Discokugel

So stürmisch der vergangene Tag gewesen war, so strahlend klar und ruhig präsentierte sich der heutige Morgen.

Funny öffnete die Augen. Die Wintersonne kitzelte sie an der Nase. Sie und Lily hatten heute ausgeschlafen – so richtig. Nach der Lawinen-Rettung hatten sie sich das verdient. Sie zog sich an und ging die Treppe hinunter. Sie wusste: Da es bereits nach Kaffee und Brötchen duftete, war Darin definitiv schon wach.

Und richtig, als sie die Küche betrat, stand bereits eine dampfende Tasse auf ihrem Platz. Darin saß am Tisch, ein Buch über Thermodynamik vor sich, und blickte auf, als sie hereinkam. Ein warmes Lächeln huschte über sein Gesicht.

Funny setzte sich und ein wohliges Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus. Sie dachte an den gestrigen Abend zurück. Wie sie alle drei vor dem Kamin gesessen hatten. Darin hatte weder ihre Hand noch die von Lily loslassen wollen. Sie verstand seine Angst. Der Beruf eines Wächters war gefährlich. Und nach dem Vorfall auf dem Schiff, als Lily sich in den Feuerball geworfen hatte und des gestrigen „Höhlenabenteuers“ war ihnen allen klar geworden, wie schnell es vorbei sein konnte. Regel 32: Genieße die kleinen Dinge. Und heute war das kleine Ding dieser perfekte Kaffee.

Darin beobachtete sie. Es passierte nicht oft, dass Funny so tief in Gedanken versunken war. Er genoss den Moment der Stille.

Dann wurde die Stille jäh unterbrochen. Schlurf. Polter. Schlurf. Etwas landete mit einem dumpfen Plumps auf dem Stuhl neben Funny. Lily. Auch ihr schob Darin wortlos eine Tasse hin.

Funny lächelte, trank ihren letzten Schluck und holte die Brötchen aus dem Ofen. Es war ein seltener, friedlicher Morgen.

Bis es an der Tür klopfte.

Es war kein normales Klopfen. Es war ein rhythmisches, fast aristokratisches sehr energisches Poch-Poch-Poch. Funny ging zur Tür und öffnete sie. Vor ihr stand ein Mann. Er trug einen makellosen schwarzen Anzug und ein langes, schwarzes Cape mit rotem Innenfutter. Seine Haut war so blass wie Marmor, seine Augen dunkel und unergründlich. Eine Aura von Eleganz und uralter Gefahr umgab ihn.

Funny spürte sofort, dass hier etwas anders war.

„Darin? Kommst du mal?“ rief sie, die Stimme kontrolliert, aber angespannt.

Darin erschien im Flur. Als er den Gast sah, verengten sich seine Augen hinter der Brille. Er zog sofort Funny von der Tür weg. Hinter ihr tauchte Lily auf. Sie sah den Besucher. Sie sah den Charme, das dunkle Versprechen in seinen Augen. Wie magisch angezogen wollte sie an Darin vorbei auf ihn zustürzen.

„Oh, hallo! Kommen Sie doch…“

Darin reagierte blitzschnell. Er schob sich zwischen Lily und den Besucher, eine Hand ausgestreckt, um sie auf Abstand zu halten. Er verneigte sich leicht, sah dem Fremden aber nicht direkt in die Augen.

„Komm herein. Sei unser Gast und Freund, bis sich unsere Wege wieder trennen.“

Der Besucher lächelte, und spitze Eckzähne blitzten kurz auf. Er erwiderte die Verbeugung tief.

„Vielen Dank. Ich gelobe, dein Haus und deine Bewohner zu ehren und zu achten und gegen jeden Feind zu verteidigen, bis sich unsere Wege wieder trennen.“

Ein kalter Schauer lief Lily über den Rücken. Erst jetzt, als die uralte Formel gesprochen war und der Bezirzungszauber von ihr abfiel wie ein schwerer Vorhang, realisierte sie, wer da vor ihr stand. Ein Vampir.

Der Besucher richtete sich auf und zwinkerte Lily zu.

„Ich sehe, zwei von euch kennen sich mit den alten Gesetzen aus. Du, junge Dame, sei unbesorgt. Ich bin an meinen Schwur gebunden.“

Darin bat ihn ins Wohnzimmer. Während Funny und Lily sich auf Darins Geheiss im Hintergrund hielten, setzte sich Darin dem Gast gegenüber.

„Was kann ich für Euch tun?“ fragte Darin höflich.

Der Vampir legte die Fingerspitzen aneinander.

„Ich bin Borzirow. Ich bin der Bürgermeister der kleinen Vampirstadt im Osten. Und wir haben ein Problem.“

„Nur eines?“ rutschte es Lily heraus. „Ist Vampirsein nicht schon Problem genug?“

„Lily!“ zischte Funny. „Du bist unmöglich!“

Borzirow lachte leise, ein trockenes, rasselndes Geräusch. „Fräulein Funny, machen Sie sich keine Gedanken. Irgendwie hat Fräulein Lily ja recht. Aber dieses Problem ist… speziell.“

Er räusperte sich.

„Bei uns geht eine Krankheit um. Normalerweise zerfallen wir im Sonnenlicht zu Staub. Aber wir nutzen seit Jahrhunderten eine spezielle Sonnencreme. Ein magischer Sunblocker.“

Lily kicherte in ihre Hand.

„Lichtschutzfaktor 10.000?“

„So ungefähr“, lächelte Borzirow. „Aber neuerdings gibt es Nebenwirkungen. Vampire, die sich eine Weile in der Sonne aufgehalten haben, fangen an zu… glitzern. Sie schillern bunt und leuchten wie Diamanten.“

Lily prustete los.

„Funny, hörst du das? Ein Discokugel-Zauber!“

Borzirow seufzte leidend.

„Für Sie mag das lustig klingen. Für uns stolze Kinder der Nacht ist es der absolute Image-GAU. Viele trauen sich vor Scham nicht mehr aus dem Haus. Aber das Schlimmste ist: Wir jagen Wildtiere. Wir nennen es ‚Blutspende‘ – wir betäuben sie, nehmen einen Schluck und lassen sie laufen. Aber wenn man leuchtet wie ein Leuchtturm, sehen einen die Rehe schon von Weitem.“

Sein Gesicht wurde ernst.

„Meine Leute hungern. Und die, die sich nicht raustrauen, werden irgendwann verhungern.“

Funny setzte sich vorsichtig neben Darin. Ihr analytischer Verstand arbeitete bereits.

„Wann fing es an?“, fragte sie, den Blick auf die Tischplatte gesenkt.

„Wir wissen es nicht genau.“

Darin übernahm.

„Ich brauche eine Probe der Sonnencreme. Eine Blutprobe eines Erkrankten. Eine Blutprobe eines Gesunden und eine Hautprobe.“

Borzirow schlug sein Cape zurück und holte einen kleinen Reagenzglasständer hervor.

„Ich habe gehofft, dass Ihr danach fragt.“

Darin nahm die Gläser entgegen und reichte sie an Funny weiter.

„Gibt es irgendetwas Ungewöhnliches? Neue Tiere? Haben sich die Pflanzenfresser anders ernährt?“, fragte Darin.

Borzirow überlegte.

„Neue Tiere… nein. Pflanzen… hmmm. Nicht, dass ich wüsste.“

Funny stand auf.

„Darin, ich gehe mit Lily ins Labor. Vielleicht fällt dir im Gespräch noch etwas ein.“

Darin nickte.

„Lily? Kommst du?“

Lily rührte sich nicht. Sie saß am Tisch, das Kinn auf die Hände gestützt, und starrte Borzirow mit glasigem, verträumtem Blick an.

„Er hat so schöne Augen…“, murmelte sie.

Darin wurde laut. Sehr laut.

„LILY! FUNNY BRAUCHT DEINE HILFE IM LABOR!“

Lily zuckte zusammen, als hätte man sie geohrfeigt. Sie blinzelte verwirrt, schüttelte den Kopf und sah Funny an.

„Hä? Was?“

Funny griff ihren Arm und zog sie energisch mit sich.


Im Labor

Kaum war die schwere Kellertür hinter ihnen ins Schloss gefallen, explodierte Lily.

„Was fällt Darin eigentlich ein?! Uns wie unmündige Kinder zu behandeln! Und wieso lässt du ihm das durchgehen?“

Ruhig sortierte Funny die Reagenzgläser für die Analyse.

„Darin tut das zu unserem Schutz, Li-chan. Ist dir die Veränderung nicht aufgefallen, als die beiden die Begrüßungsformel gesprochen haben?“

Lily stutzte.

„Ja… irgendwie war es so, als ob ein schwerer Druck von mir gefallen wäre. Und ich habe den Vampir erkannt.“

„Richtig. Das ist der Bezirzungszauber. Er geht passiv von jedem Vampir aus. Wenn wir ihm die Hand geben oder ihm zu lange in die Augen schauen, verfallen wir ihm. Du warst gerade kurz davor, komplett in Trance zu fallen. Hätte Darin dich nicht angeschrien, wärst du Borzirow verfallen.“

Funny schauderte.

„Und das hätte Borzirow unendlich traurig gemacht. Er will niemandem schaden.“

Lily wurde still. Sie setzte sich auf einen Hocker in die Ecke.

„Vielleicht sollte ich doch mal das Buch über ‚Völker Feenlands‘ lesen…“

Zwei Stunden vergingen. Funny analysierte, destillierte und verglich. Oben im Wohnzimmer unterhielten sich Darin und Borzirow über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Magie von Blumenelfen und Vampiren.


Die Lösung

Irgendwann kam Funny mit einem Pergament in der Hand zurück ins Wohnzimmer.

„Lily sitzt in der Bibliothek und liest“, sagte sie kurz.

Borzirow lächelte fein.

„Das rothaarige Fräulein bildet sich fort. Löblich.“

Funny vermied strikt den Blickkontakt zum Vampir und sprach nur zu Darin.

„Ich hab was gefunden.“

„Sonnenbeeren?“ fragte Darin sofort.

„Exakt. Die Sonnencreme ist sauber. Aber im Blut der Erkrankten habe ich eine Substanz gefunden, die mit dem Blocker reagiert. Es sind Rückstände von Sonnenbeeren.“

Darin nickte und wandte sich an Borzirow.

„Sonnenbeeren vermehren sich nach heißen Sommern stark. Die Wildtiere fressen sie. Die magischen Rückstände lagern sich in der Haut der Tiere ab. Wenn eure Vampire zubeißen, nehmen sie diese Rückstände auf. Sie lagern sich wiederum in eurer Haut ab. Und in Kombination mit dem Sonnenblocker… Puff. Discokugel.“

Borzirow starrte die beiden Elfen mit offenem Mund an.

„Unglaublich. So viel Wissen in so jungen Köpfen.“

Er beugte sich vor.

„Und haben Sie vielleicht auch eine Lösung?“, fragte er hoffnungsvoll.

„Ganz einfach“, sagte Funny und reichte das Pergament an Darin weiter (Sicherheitsabstand!). „Jede magische Pflanze hat ein Gegenstück. Hier ist es die Nachtbeere.“

„Die wächst in dunklen Höhlen“, ergänzte Darin.

Borzirow strahlte.

„Die haben wir massenhaft! Wir dachten, das sei Unkraut!“

„Auf dem Pergament steht ein Rezept für eine Tinktur“, erklärte Funny. „Einreiben, einwirken lassen. Das Glitzern sollte sofort verschwinden.“

Darin reichte das Pergament an Borzirow. Der Vampir faltete es ehrfürchtig zusammen.

„Ich danke euch.“

Er griff noch einmal in sein Cape. Er holte drei kleine, goldene Anhänger in Form von Fledermäusen hervor.

„Für jeden von euch einen. Das sind Talismane. Sie schützen vor dem vampirischen Verführungszauber. Aber sie wirken nur, wenn der Träger zuvor eine gute Tat für unser Volk vollbracht hat. Deshalb kann ich sie euch erst jetzt geben.“

Er überreichte Darin zusätzlich ein altes, ledergebundenes Buch.

„Eine Sammlung vampirischer Runenmagie. Ich dachte mir, das könnte Euch interessieren.“

Darins Augen leuchteten auf.

Borzirow stand auf und verneigte sich tief.

„Es war mir eine Ehre. Adiuva et Protege macht seinem Ruf alle Ehre.“

Dann gab es ein leises Puff. Wo eben noch der Mann stand, flatterte eine kleine Fledermaus. Funny riss geistesgegenwärtig das Fenster auf. Die Fledermaus zwitscherte kurz und segelte hinaus in die klare Winterluft.

Darin und Funny sahen ihr nach. Dann kam Lily aus der Bibliothek geschlurft, ein dickes Buch unter dem Arm.

„Ist er weg?“

„Ja“, sagte Funny.

„Schade“, seufzte Lily. „Aber vielleicht auch besser so. ich halte viel lieber Händchen mit Darin.“

„LILY!“, kam es empört von Funny.

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Eine Antwort zu „Adiuva et Protege Adventskalender – 12.12. – Discokugel“

  1. Avatar von Ursula
    Ursula

    Sehr interessante Vampirgeschichte. Ganz zauberhaft.

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