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Alarm in der Galerie der Alten Meister

Es war einer dieser nächtlichen Morgenstunden in der Überwachungszentrale von Secura Nord, an denen die Zeit nicht floss, sondern zäh wie alter Kleister klebte. Frank lehnte sich in seinem ergonomischen Bürostuhl zurück, der leise unter seinem Gewicht ächzte. Vor ihm flimmerten zwei Dutzend Monitore, die jeden Winkel der Dresdner Gemäldegalerie der Alten Meister zeigten.

„Na, Ralph? Mal wieder bei deiner Traumfrau?“, murmelte Frank grinsend und hob träge die Hand, um einem der Monitore zuzuwinken.

Auf dem Bildschirm war Ralph zu sehen, ein erfahrener Wachmann, der gerade den Saal der Sixtinischen Madonna betreten hatte. Ralph war bekannt dafür, dass er keinem Bild so viel Aufmerksamkeit schenkte wie diesem. Er blieb vor dem gewaltigen Werk von Raffael stehen, korrigierte seine Mütze und winkte freundlich direkt in Franks Kamera. Frank lachte kurz auf. Er wusste, dass Ralph ihn nicht sehen konnte, aber es war ein liebgewonnenes Ritual zwischen den beiden.

Frank wandte den Blick ab, um die Monitore der benachbarten Säle zu prüfen. Seit dem spektakulären Raub im Grünen Gewölbe war die Anspannung im Dienst zwar gestiegen, aber nach vier Stunden Starren auf leblose Ölgemälde neigte jeder Mensch zur Schläfrigkeit.

Plötzlich zuckte ein Lichtblitz über den Monitor der Madonna. Nur ein Bruchteil einer Sekunde – hell, violett und absolut unnatürlich.

„Was zum…?“, Frank ruckte mit dem Kopf zurück zum mittleren Bildschirm. Der Saal war leer. Der Raffael war noch da. Die Engelchen lümmelten noch herum. Aber Ralph war weg.

Frank runzelte die Stirn und schaltete hektisch durch die Kameras der angrenzenden Räume. Nichts. Ralph war nicht in den Korridor gelaufen, er war nicht in Richtung Ausgang geeilt. Er war einfach… verpufft.

Frank griff mit schwitzigen Fingern zum Funkgerät.

„Ralph? Ralph, hörst du mich? Melde dich, verdammt noch mal!“

Stille. Nur das statische Rauschen der Leitung antwortete ihm.

Frank drückte die Taste für den zweiten Wachmann.

„Thomas! Geh sofort zur Madonna. Ralph ist weg. Und ich meine nicht ‚er ist mal kurz austreten‘-weg, sondern ‚mitten im Satz gelöscht‘-weg!“

„Sir, ja Sir! Bin unterwegs, Sir!“, schallte es zackig aus dem Lautsprecher. Thomas war jung, motiviert und machte sich einen Spaß daraus, Anweisungen millitärisch zackig zu bestätigen. Allerdings nur bei Frank, der nicht wusste, ob er gerührt oder genervt sein sollte.

Es vergingen kaum zwei Minuten, die Frank wie Stunden vorkamen. Dann knackte der Funk. Thomas’ Stimme klang nicht mehr zackig. Sie war eindringlich.

„Frank… Frank, hör mir gut zu. Hol das Alarmbuch aus der Schublade.“

„Thomas, was ist los? Hast du Ralph gefunden?“

„Sag einfach nur Code Magic, Frank. Schnell! Die können meist nicht sofort kommen“

Frank erstarrte. Code Magic? Die? Er riss die Schublade auf und holte das schwere, ledergebundene Handbuch hervor. Er blätterte hastig. Code Fenster (Glasbruch), Code Blau (Lichtausfall), Code Absperre (Besucher-Vandalismus), Code GAU (Diebstahl). Aber Code Magic? Das stand in keinem Verzeichnis, das er jemals gelernt hatte.

„Was ist das für ein Unsinn?“, fluchte Frank laut. „Was zum Henker soll Code Magic sein?!“

Kaum hatter das gesagt, begann das Buch in seinen Händen zu vibrieren. Ein sanftes, glockenhelles Klingen erfüllte den Raum. Vor Franks ungläubigen Augen stieg ein feiner, goldener Nebel aus den Seiten auf und formte sich zu einem großen Hologramm einer kleinen, wunderschönen Elfe mit schimmernden Flügeln.

„Häh?“, entfuhr es Frank. Er ließ das Buch fast fallen. Das Hologramm drehte sich zu ihm um und legte den Kopf schief.

„Guten Tag, Frank“, sagte die Erscheinung mit einer Stimme, die wie ein glockenhelles Windspiel klang. „Code Magic bedeutet, dass ein magischer Zwischenfall vorliegt. Die zuständigen Wächter in Feenland wurden bereits alarmiert. Thomas wird gleich bei dir sein, um das Protokoll zu übernehmen. Bitte bewahre Ruhe.“

Das Licht erlosch. Der Nebel löste sich auf. Frank starrte auf das Buch. Er drehte es um, schüttelte es, untersuchte den Buchrücken nach versteckten Batterien oder Projektoren. Doch es war einfach nur ein Buch. Aus Papier.


Während Frank in der Menschenwelt an seinem Verstand zweifelte, schrillte tief im Herzen von Feenland ein Alarm, der die Kristallwände der Wächterzentrale erzittern ließ.

Barnim, ein Zwerg mit einem Bart, der so dicht war, dass man darin vermutlich ganze Bergwerke verstecken konnte, schreckte mit einem Schnauben aus seinem Nickerchen auf. Er fuchtelte wild mit seinen kurzen Armen herum und suchte den Schalter, um das ohrenbetäubende Schrillen abzustellen. Dabei traf er wohl die falschen Knöpfe und der Alarm wurde immer lauter.

„Halt ein, Nimmi! Ich mach das schon!“, rief Losanna, eine hochgewachsene, elegante Elfe, die in den Raum stürmte. Ihre Finger tanzten über eine leuchtende Runenoberfläche, bis wieder Stille einkehrte.

„Sieh dir das an. Sektor Deutschland, Dresden. Die Galerie der Alten Meister. Thomas hat den Magie-Alarm ausgelöst.“

Barnim grummelte und rückte seinen schweren Panzergürtel zurecht.

„Hoffentlich kein Fehlalarm. Ich sag’s gerne erneut: Die Menschen über unsere Welt aufzuklären, ist, als würde man einem Oger beibringen wollen, wie man auf Porzellan flötet. Es endet immer im Chaos!“

Losanna lächelte nachsichtig. Sie wusste, dass Barnim – oder „Nimmi“, wie sie ihn zum Leidwesen seiner zwergischen Würde nannte – die Menschenwelt für einen Ort hielt, der viel zu wenig Stein und viel zu viel Lärm bot.

Plötzlich knallte die schwere Eichentür des Saals gegen die Wand. Kaelan, der Anführer der Wächter, trat ein. Seine Aura strahlte eine Intensität aus, die die Anzeigen auf den Pulten kurzzeitig zum Flackern brachte.

„Magie-Alarm? Bei Thomas?“, fragte er kurz angebunden.

Barnim nickte knapp.

„Wir haben och keine Details.“

„Ich bin auf dem Weg“, sagte Kaelan entschlossen. „Aber ich kann nicht allein dort operieren. Wir brauchen Spezialisten. Schickt jemanden zu Adiuva et Protege. Verpasst ihnen eine Schnelleinführung in die moderne Menschenwelt und dann ab nach Dresden! Schickt Max.“

Losanna riss die Augen auf.

„Was? Kaelan, dein Ernst? Du willst eine B-Rang-Gruppe mit I-H-R schicken? Willst du das Dresden wirklich antun?“

Doch Kaelan war bereits wieder verschwunden, sein Umhang wehte wie eine Gewitterwolke hinter ihm her.

Barnim kratzte sich nachdenklich am Bart.

„Was er eigentlich sagen will, er will Darin. Aber Darin gibt’s nur im Paket mit der Chaos-Queen. Aber mit Funny als Kopf der Truppe wird der Schaden schon… überschaubar bleiben. Hoffentlich.“


Im kleinen Häuschen der Abenteurergruppe Adiuva et Protege herrschte derweil eine ganz eigene Art von Katastrophe.

Hicks!

Eine kostbare blaue Vase hüpfte vom Beistelltisch und zerschellte auf den Dielen. Funny sah auf.

„Lily… denkt gerade jemand besonders intensiv an dich?“

Hicks!

Ein ganzer Stapel Bücher im Regal wurde von einer unsichtbaren Druckwelle erfasst und segelte wie ein Schwarm betrunkener Vögel durch das Zimmer.

Lily saß auf dem Sofa, hielt sich den Bauch und sah aus, als würde sie gleich platzen.

„Hicks! Himmel noch mal! Dieser Schluckauf macht mich wahnsinnig!“

Darin, der in der Ecke saß und an einem mechanischen Bauteil schraubte, warf ihr einen trockenen Blick über den Rand seiner Brille zu.

„Das passiert, wenn man eine ganze Flasche Moselbeerensaft in einem Zug leert, nur weil man ‚keine Zeit für Pausen‘ hat.“

Lily streckte ihm die Zunge raus, was durch einen erneuten Hicks! unterbrochen wurde, der einen Stuhl umkippen ließ.

„Aber er schmeckt nun mal so gut!“

Funny kicherte leise.

„Du weißt schon, dass er in drei Schlucken exakt genauso schmeckt, Li-chan?“

Der Geschirrstapel in der Spüle begann verdächtig zu knirschen. Darin legte seinen Schraubenzieher weg und zog einen Brief aus seiner Tasche.

„Lily, sieh mal. Hier ist gerade eine Nachricht aus Marinburg eingetroffen. Der Hafenmeister hat geschrieben. Er braucht dringend deine Hilfe!“

Lily erstarrte. Ihr Gesicht wurde blass.

„Nicht… nicht dein Ernst!“, hauchte sie.

Darin starrte sie eine volle Minute lang mit einer Miene an, die so ernst war, dass man darauf hätte Grabinschriften meißeln können. Lily hielt den Atem an. Bloß nicht Marinburg. Alles, nur nicht Marinburg, schoss es ihr durch den Kopf. Der bloße Gedanke an den griesgrämigen Hafenmeister und ihre dortigen „Jugendsünden“ ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.

Darin wandte sich seelenruhig an Funny.

„So. Schluckauf abgeschaltet. Die Welt ist gerettet.“

„Hä?“, machte Lily und blinzelte. Tatsächlich – das Schluckauf war weg, das Geschirr gerettet.

„Du hast mich reingelegt!“, lachte sie dann.

In diesem Moment klopfte es an der Tür.

Funny öffnete. Draußen stand ein junger Mann in einem grauen T-Shirt, dunklen Jeans und weißen Turnschuhen. Er lächelte breit.

„Guten Abend! Ich bin Max. Ich bin Austauschstudent in der Wächterzentrale.“

„Was zum Kuckuck ist ein Austauschstudent?“, fragte Lily, während Max an den Esstisch gebeten wurde.

„Kaelan hatte die Idee, Verbindungsleute in der Menschenwelt zu platzieren“, erklärte Max freundlich. „Menschen, die beide Welten kennen. Ich lerne hier in Feenland alles über Magie, damit mein Gedächtnis nicht wie im Nebel verschwindet, wenn ich zurückgehe. Ich soll eure Brücke sein.“

Funny nickte verstehend.

„Und du wirst eingesetzt, wenn es ungewöhnliche Phänomene gibt?“

„Genau. Und heute bin ich hier, um euch einen Crashkurs zu geben. Ihr müsst sofort nach Dresden in eine Gemäldegalerie.“

Darins Augen leuchteten auf.

„Die Menschenwelt! Endlich! All diese technischen Wunderwerke mit eigenen Augen sehen…“

Dann blieb sein Blick an Lily hängen. Er schluckte. Er stellte sich vor, wie Lily versuchte, einen Fahrstuhl zu bedienen oder – noch schlimmer – ein Auto als angreifendes Monster interpretierte und ihre Naginata zog… Funny schien das Gleiche zu denken, denn sie musterte ihre rothaarige Freundin mit besorgter Miene.

„Was?!“, rief Lily empört. „Glaubt ihr etwa beide, ich könnte mich nicht benehmen?“

„Ja, das glauben wir!“, riefen Funny und Darin wie aus einem Mund.

Lily kniff die Augen zusammen.

„Pah! Ich werde die höflichste Elfe sein, die diese graue Welt je gesehen hat!“

„Wartet, wartet!“, lachte Max. „Ich helfe euch. Erstens: Das Auffallen. Ihr werdet nicht als Elfen wahrgenommen werden. Die Kompensationsmagie sorgt dafür, dass Menschen euch als gewöhnliche Personen sehen. Auch eure Flügel werden nicht auffallen und eure Kleidung“, Max lächelte, als er Funny und Lily musterte, „nun, auch diese wird in den Augen der Menschen völlig normal sein. Dennoch, die Magie ist zwar sehr tolerant, aber fallt nicht auf, macht nichts ungewöhnliches.“

„Also keine Naginata in der Öffentlichkeit ziehen?“, fragte Funny lächelnd, während Lily gespannt auf Max Reaktion wartete.

„Um Himmels Willen, nein!“, rief Max. „Keine Waffen in der Öffentlichkeit ziehen oder tragen. Ich habe hier ein kleines Handbuch für euch. Es antwortet auf fast alles. Wie man Tickets kauft, wie man Rolltreppen benutzt, wie man sich ausweist… Kurzfassung: Einfach durchgehen und immer nett grüßen. Aber egal was, fragt immer erst das Buch.“

Max erzählte und erklärte und wusste doch, die Menschenwelt würde gerade für Blumenelfen ein ziemlicher Schock werden. Zum Abschied überreichte er Funny das Büchlein und verabschiedete sich mit einem Lächeln.

„Morgen kommt eine Kutsche, sie holt euch ab und bringt euch zur Bahn.“

Kaum war die Tür hinter Max ins Schloss gefallen, brach im Wohnzimmer der Blumenelfen das organisierte Chaos aus.

„Ich gehe dann mal packen“, warf Darin trocken in den Raum, während Lily bereits aufgeregt mit den Flügeln schlug und Funny das magische Buch befragte. Er kannte seine Mitbewohnerinnen – wenn er jetzt nicht anfing, die Itembox strategisch sinnvoll mit Magitech-Gadgets zu füllen, würden sie nie pünktlich in Dresden stehen können.

Funny schlug das Buch auf.

„Wie fahre ich mit der Bahn?“, fragte sie die leeren Seiten.

Ein leises Rascheln ging durch das Papier. Buchstaben tanzten über die Blätter und eine sonore, beruhigende Stimme erklang: „Eine Kutsche bringt euch zum Bahnhof. Gleis drei ist euer Ziel. Steigt in den dritten Wagen, Abteil 4 ist für euch reserviert.“

Ein Bild eines modernen ICE-Zugs erschien auf der Seite.

„Achtet auf die Durchsagen. Wenn die Stimme ‚Dresden Hauptbahnhof‘ sagt, steigt ihr aus. Und falls ein Kontrolleur kommt, sagt einfach: ‚Sie brauchen unsere Tickets nicht zu sehen, gehen Sie einfach weiter.‘“

Lily, die über Funnys Schulter lugte, grinste breit.

„Das ist ja wie bei uns! Wenn der Dorfpolizist mich fragt, warum der Marktplatz voller Dornenhecken ist, sage ich auch immer: ‚Ich bin nicht die Blumenelfe, die du suchst.‘ Funktioniert jedes Mal!“

Funny kicherte leise.

„Lily, der gute Mann lässt dich nur gehen, weil er Angst vor dem nächsten Wutanfall deiner Dornenmagie hat.“

„Pah!“, lachte Lily. „Er schätzt einfach meine… Präsenz.“

Doch dann blätterte das Buch von selbst weiter.

„Was ist die Galerie der Alten Meister?“, las Funny laut.

Die Stimme des Buches wurde plötzlich strenger: „Dresden ist berühmt für seine Kunstschätze: Gemälde, Edelsteine, Weltkultur. MACHT NICHTS KAPUTT! Vor allem du nicht, Lily!“

Funny prustete los.

„Sogar das Buch hat dich auf dem Schirm, Lily. Dein Ruf eilt dir über die Welten hinweg voraus.“

Lily, sichtlich eingeschnappt, verschränkte die Arme.

„Ich gehe ins Bett! Weckt mich, wenn die Kutsche da ist. Ihr werdet schon sehen: Super-Lily wird diese Menschenwelt im Sturm erobern – und zwar ganz ohne Kollateralschäden!“


Der nächste Tag verlief überraschend reibungslos. Die Kutsche war pünktlich, der Zug in der Menschenwelt kam tatsächlich auf die Minute genau an (ein wahres Wunder der Technik, wie Darin feststellte) und am Bahnsteig wartete bereits Kaelan. Neben ihm stand Thomas, der junge Wachmann, der sichtlich nervös an seinem Funkgerät nestelte.

Auf dem Weg zur Galerie sprudelte es aus Thomas heraus: „Gestern Morgen… ich rief Ralph über Funk. Keine Antwort. Ich lief in den Madonnensaal. Er war leer. Aber als ich auf das Bild sah… da lehnte er. Ralph, direkt im Bild, neben den Engeln. Er ist jetzt… Ölfarbe.“

Darin, der während des Gehens bereits an einem kleinen, kupfernen Apparat schraubte, nickte fachmännisch.

„Ein Portal. Drei Möglichkeiten: Das Pigment ist verflucht, der Rahmen ist der Anker oder ein Wesen innerhalb der Leinwand saugt Materie ein.“

Thomas starrte Darin mit offenem Mund an. Kaelan grinste nur.

„Ich sagte doch, ich hole die Profis.“

Wenig später standen sie vor dem Zwinger. Selbst Lily hielt kurz den Atem an.

„Nicht übel für Menschen“, murmelte sie. „Ein bisschen grau, aber die Form ist akzeptabel.“

Vor dem Eingang drängte sich eine wütende Menschenmenge.

„Wieso ist zu?!“, brüllte ein Tourist. „Ich hab extra Urlaub genommen!“

Kaelan trat vor die Menge. Er wirkte in seiner menschlichen Tarnung wie ein imposanter Sicherheitschef. Seine Stimme war nicht laut, aber sie hatte dieses sagenhafte Gewicht, das Widerspruch im Keim erstickte.

„Der Schutz der Kunst steht an erster Stelle“, sprach er ruhig. „Unsere Klimaanlage spielt verrückt. Wenn die Feuchtigkeit die Madonna zerstört, verliert Dresden sein Herz. Gebt uns Zeit. Morgen wissen wir mehr.“

Wie durch ein Wunder beruhigten sich die Menschen und zogen ab.

Thomas flüsterte beeindruckt: „War das ein Deeskalations-Zauber?“

Funny kicherte.

„Nein. Das ist einfach Kaelan. Wenn er spricht, hört die Welt zu. Und dann wird es so gemacht.“


Im Madonnensaal angekommen, begann Darin sofort damit die Fenster und die Türen mit leuchtenden Runen-Plättchen zu versiegeln.

„Nichts darf diesen Raum unkontrolliert verlassen“, befahl er.

Thomas nickte.

„Ich sichere von außen, dass niemand hereinkommt. Darf ich zuschauen?“

Darin nickte lächelnd.

Er baute Sensoren um das riesige Gemälde auf, in dem nun tatsächlich der Wachmann Ralph neben der heiligen Barbara stand und ziemlich bedröppelt aus der Leinwand schaute.

„Es ist der Rahmen“, stellte Darin fest. „Echtes Schwarzholz aus dem Schwarzen Wald von Feenland. Jemand hat diesen alten Fluch-Rahmen wiederverwendet.“

In diesem Moment piepte Kaelans Kommunikator. Er fluchte leise.

„Paris meldet Probleme. Touristen im Louvre verschwinden in das Gemälde der Freiheit. Ich muss den Abendflug nehmen. Kommt morgen nach!“

Funny nickte, doch sie hatte keine Zeit für lange Abschiede. Ein gellendes Lachen erfüllte den Saal. Aus der Leinwand schossen zwei nackte Gestalten – die berühmten zwei Putten-Engel vom unteren Bildrand! Doch sie sahen nicht mehr friedlich aus. Ihre Augen glühten gelb, und sie fletschten kleine, spitze Zähne.

„ALARM!“, brüllte Lily und zog ihre Naginata. „Die Windelpupser sind ausgebüxt!“

Die kleinen Dämonen-Engel rasten durch den Saal, warfen Vasen um und versuchten, an den Vorhängen hochzuklettern und aus dem Raum zu entkommen. Zum Glück waren Darins Siegel sehr mächtig.

„Komm her, du fliegendes Speckröllchen!“, rief Lily.

Sie setzte zu einem gewaltigen Sprung an, ihre Elfenflügel gaben ihr einen enormen Schub. Sie fing den ersten Engel im Flug ab, doch der Kleine war schlüpfrig wie ein Aal.

„Darin! Gib mir was zum Fesseln!“, schrie Lily, während sie mit dem zweiten Engel rangelte, der ihr frech an den Haaren zog.

Darin warf ihr zwei magisch verstärkte Tücher zu. Lily grinste bösartig. Mit einer Fingerfertigkeit, die man der impulsiven Elfe kaum zugetraut hätte, wickelte sie die beiden schreienden Putten jeweils in ein Tuch – wie in eine überdimensionale, feste Windel.

„So!“, schnaufte sie und hielt die beiden zappelnden Bündel hoch. „Jetzt ist Ruhe mit dem Schabernack. Wer Windeln trägt, hat nichts zu sagen!“


Darin hatte währenddessen einen „Transferstrahler“ aufgebaut, ein Gerät, das wie eine Mischung aus Teleskop und Blitzlicht aussah.

„Funny, du musst rein. Menschen haben keinen magischen Eigenantrieb. Du musst Ralph einen Schubs geben. Deine Magie neutralisiert die Magie, die ihn festhält.“

Funny nickte entschlossen und stellte sich vor das Bild. Ein Lichtblitz zuckte auf. Im nächsten Moment war die Madonna im Bild verschwunden – und an ihrer Stelle stand Funny. Lily kicherte.

„Schaut euch das an! Funny als Madonna. Wie liebevoll sie das Jesuskind hält… sie hat es sogar in eine Decke eingewickelt, damit es nicht friert. Sie ist einfach zu gut für diese Welt.“

Darin konzentrierte sich und versuchte, sich nicht ablenken zu lassen. Trotzdem schielte er immer wieder zur Sixtinischen Funny. Er legte die beiden „eingewickelten“ Engel vor den Strahler. Wieder blitzte es, und die Putten klebten wieder am unteren Rand des Bildes, sichtlich beleidigt über ihre neue Bekleidung. Dann schaltete Darin die Polarität um.

„Alles festhalten!“

Es wurde schlagartig stockfinster im Saal. Die gesamte Raumenergie schien in den Rahmen gesaugt zu werden. Ein lautes Knirschen, ein Ploppen wie bei einem Sektkorken – und dann purzelte der Wachmann Ralph aus der Luft, direkt gefolgt von einer elegant landenden Funny.

Ralph schüttelte sich wie ein nasser Hund. Er starrte zur Madonna, dann zu Funny. Die Magie begann sofort einen Nebel des Vergessens zu wirken.

„Wenn ich es nicht besser wüsste… junge Dame, Sie könnten glatt Modell gestanden haben für den alten Raffael.“

Sein Blick wanderte zu Lily und ihrer Naginata.

„Und Du, Schätzchen, nimm mal deinen langen Stock runter, bevor du hier noch die Deckenlampen abrasierst.“

Lily machte einen übertrieben höflichen Knicks, während sie ihre Waffe in der Itembox verschwinden ließ.

„Sehr wohl, der Herr! Wir sind ja schließlich Experten.“

Darin zückte seine „Kopie-Kanone“. Er scannte das Original, drückte auf einen blauen Stein an dem Gerät und mit einem summenden Geräusch erschien eine perfekte, harmlose Kopie der Madonna an der Wand. Das verfluchte Original verschwand in der Itembox.

Die zerbrochenen Vasen kopierte Darin auch noch. Die Kopien waren dann nicht mehr zerstört. Funny stellte sie wieder an Ort und Stelle, womit die Spuren der kurzen aber heftigen Auseinandersetzung mit den beiden Baby-Dämonen schnell beseitigt waren.

„So, erledigt!“, verkündete Darin stolz.

Draußen erwartete sie Thomas.

„Sehr beeindruckend!“

Funny lächelte erschöpft.

„Alles geregelt. Morgen könnt ihr wieder öffnen. Wir haben die Sensoren… ‚neu eingestellt‘.“

Thomas klopfte Ralph auf die Schulter, während dieser nur murmelte: „Mit Experten arbeiten macht einfach Laune.“

Lily stolzierte an ihnen vorbei Richtung Ausgang.

„Kommt schon! Thomas bringt uns jetzt zu diesem Flughafen-Dingsi, na diesem Hotel. Morgen geht’s nach Paris. Ich wollte schon immer mal sehen, ob diese ‚Freiheit‘ im Louvre auch Windeln braucht!“

Thomas führte die drei Elfen zu seinem Wagen. Die nächtliche Luft Dresdens war kühl, und die Lichter der Stadt spiegelten sich in der Elbe. Der junge Wachmann wirkte, als hätte er gerade den besten Actionfilm seines Lebens gesehen – und er war der Hauptdarsteller im Hintergrund gewesen.

„Ganz ehrlich?“, begann Thomas, während er den Motor anließ. „Ihr wart der absolute Wahnsinn. Ich dachte erst, Kaelan scherzt, als er von einer ‚Blumenelfen-Eingreiftruppe‘ sprach, aber wie du diese Windel-Dämonen im Flug getackelt hast, Lily… das war filmreif!“

Lily, die gerade versuchte, ihren Sicherheitsgurt wie eine ritterliche Schärpe anzulegen, grinste breit.

„Tja, Thomas, merk dir eins: Gegen Super-Lily hat kein Putte eine Chance. Egal, wie nackt er ist!“

„Ich meine es ernst“, fuhr Thomas fort, während er den Wagen sanft durch die Barockstadt steuerte. „Kommt uns mal besuchen, wenn hier kein magischer GAU herrscht. Ich zeige euch die Stadt, wir gehen ordentlich essen – Dresden hat nämlich noch viel mehr zu bieten als nur verrückte Bilderrahmen. Aber jetzt wartet Paris auf euch. Ein Kollege von uns, Francois, wird euch dort am Flughafen abholen. Er ist… nun ja, speziell. Ihr werdet ihn sofort erkennen, wenn ihr ihn seht.“

„Speziell?“, fragte Darin und hob eine Augenbraue. „Noch spezieller als eine Elfe in einem Hotel am Flughafen?“

Thomas lachte. „Glaub mir, in Paris fällt gar nichts auf. Da ist Verrücktheit quasi die offizielle Amtssprache.“

Wenig später hielt der Wagen vor dem gläsernen Portal des Flughafen-Hotels. Thomas stieg aus und öffnete den Mädels die Tür. Es herrschte eine kurze, fast wehmütige Stille. Thomas trat auf Funny zu und umarmte sie herzlich.

„Danke Funny, es war ein tolles Abenteuer mit euch. Pass auf die beiden auf!“

Dann kam Lily an die Reihe. Thomas hielt sie einen Moment länger fest als nötig, was Lily mit einem überraschten, aber recht zufriedenen Glucksen quittierte.

„Nicht weinen, Großer“, neckte sie ihn und tätschelte ihm den Rücken. „Wenn ich in Paris fertig bin, schicke ich dir vielleicht eine Postkarte. Mit einem Eiffelturm drauf, den ich nicht umgeworfen habe.“

Thomas lachte, winkte ein letztes Mal und stieg in seinen Wagen, um zurück zum Zwinger zu fahren.

Funny trat an den Check-in-Schalter und nahm die kleine Plastikkarte entgegen, die ihnen den Zugang zu ihrem Zimmer gewährte.

„Eine Schlüsselkarte“, murmelte Darin fasziniert und betrachtete den Magnetstreifen unter seiner Lupe. „Informationen, gespeichert in magnetischen Feldern. Primitiv, aber irgendwie elegant.“

Im Zimmer angekommen, hüpfte Lily gleich auf ihr Bett.

„Paris also! Der Louvre! Ich hoffe, die ‚Freiheit‘ im Bild trägt keine Windeln, sonst wird das ein verdammt kurzer Kampf.“

Funny stand am Fenster und blickte hinaus auf die beleuchteten Landebahnen des Flughafens. Ihr Blick war fern.

„Der Louvre ist riesig, Lily. Und wenn Kaelan recht hat, ist die Sixtinische Madonna nur der Anfang einer viel größeren Welle gewesen. In Paris ist die Magie viel wilder, viel… revolutionärer.“

Sie strich über die glatte Oberfläche ihrer Schlüsselkarte. Ihre Gedanken waren bereits in den langen Gängen des Louvre, zwischen Marmorstatuen und verfluchten Meisterwerken. Morgen würden sie in das Herz der Kunst reisen – und Funny hatte so das Gefühl, dass sie dort mehr als nur ein paar Windeln brauchen würden.

Fortsetzung folgt…

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Alarm in der Galerie der Alten Meister

Es war einer dieser nächtlichen Morgenstunden in der Überwachungszentrale von Secura Nord, an denen die Zeit nicht floss, sondern zäh wie alter Kleister klebte. Frank lehnte sich in seinem ergonomischen Bürostuhl zurück, der leise unter seinem Gewicht ächzte. Vor ihm flimmerten zwei Dutzend Monitore, die jeden Winkel der Dresdner Gemäldegalerie der Alten Meister zeigten.

„Na, Ralph? Mal wieder bei deiner Traumfrau?“, murmelte Frank grinsend und hob träge die Hand, um einem der Monitore zuzuwinken.

Auf dem Bildschirm war Ralph zu sehen, ein erfahrener Wachmann, der gerade den Saal der Sixtinischen Madonna betreten hatte. Ralph war bekannt dafür, dass er keinem Bild so viel Aufmerksamkeit schenkte wie diesem. Er blieb vor dem gewaltigen Werk von Raffael stehen, korrigierte seine Mütze und winkte freundlich direkt in Franks Kamera. Frank lachte kurz auf. Er wusste, dass Ralph ihn nicht sehen konnte, aber es war ein liebgewonnenes Ritual zwischen den beiden.

Frank wandte den Blick ab, um die Monitore der benachbarten Säle zu prüfen. Seit dem spektakulären Raub im Grünen Gewölbe war die Anspannung im Dienst zwar gestiegen, aber nach vier Stunden Starren auf leblose Ölgemälde neigte jeder Mensch zur Schläfrigkeit.

Plötzlich zuckte ein Lichtblitz über den Monitor der Madonna. Nur ein Bruchteil einer Sekunde – hell, violett und absolut unnatürlich.

„Was zum…?“, Frank ruckte mit dem Kopf zurück zum mittleren Bildschirm. Der Saal war leer. Der Raffael war noch da. Die Engelchen lümmelten noch herum. Aber Ralph war weg.

Frank runzelte die Stirn und schaltete hektisch durch die Kameras der angrenzenden Räume. Nichts. Ralph war nicht in den Korridor gelaufen, er war nicht in Richtung Ausgang geeilt. Er war einfach… verpufft.

Frank griff mit schwitzigen Fingern zum Funkgerät.

„Ralph? Ralph, hörst du mich? Melde dich, verdammt noch mal!“

Stille. Nur das statische Rauschen der Leitung antwortete ihm.

Frank drückte die Taste für den zweiten Wachmann.

„Thomas! Geh sofort zur Madonna. Ralph ist weg. Und ich meine nicht ‚er ist mal kurz austreten‘-weg, sondern ‚mitten im Satz gelöscht‘-weg!“

„Sir, ja Sir! Bin unterwegs, Sir!“, schallte es zackig aus dem Lautsprecher. Thomas war jung, motiviert und machte sich einen Spaß daraus, Anweisungen millitärisch zackig zu bestätigen. Allerdings nur bei Frank, der nicht wusste, ob er gerührt oder genervt sein sollte.

Es vergingen kaum zwei Minuten, die Frank wie Stunden vorkamen. Dann knackte der Funk. Thomas’ Stimme klang nicht mehr zackig. Sie war eindringlich.

„Frank… Frank, hör mir gut zu. Hol das Alarmbuch aus der Schublade.“

„Thomas, was ist los? Hast du Ralph gefunden?“

„Sag einfach nur Code Magic, Frank. Schnell! Die können meist nicht sofort kommen“

Frank erstarrte. Code Magic? Die? Er riss die Schublade auf und holte das schwere, ledergebundene Handbuch hervor. Er blätterte hastig. Code Fenster (Glasbruch), Code Blau (Lichtausfall), Code Absperre (Besucher-Vandalismus), Code GAU (Diebstahl). Aber Code Magic? Das stand in keinem Verzeichnis, das er jemals gelernt hatte.

„Was ist das für ein Unsinn?“, fluchte Frank laut. „Was zum Henker soll Code Magic sein?!“

Kaum hatter das gesagt, begann das Buch in seinen Händen zu vibrieren. Ein sanftes, glockenhelles Klingen erfüllte den Raum. Vor Franks ungläubigen Augen stieg ein feiner, goldener Nebel aus den Seiten auf und formte sich zu einem großen Hologramm einer kleinen, wunderschönen Elfe mit schimmernden Flügeln.

„Häh?“, entfuhr es Frank. Er ließ das Buch fast fallen. Das Hologramm drehte sich zu ihm um und legte den Kopf schief.

„Guten Tag, Frank“, sagte die Erscheinung mit einer Stimme, die wie ein glockenhelles Windspiel klang. „Code Magic bedeutet, dass ein magischer Zwischenfall vorliegt. Die zuständigen Wächter in Feenland wurden bereits alarmiert. Thomas wird gleich bei dir sein, um das Protokoll zu übernehmen. Bitte bewahre Ruhe.“

Das Licht erlosch. Der Nebel löste sich auf. Frank starrte auf das Buch. Er drehte es um, schüttelte es, untersuchte den Buchrücken nach versteckten Batterien oder Projektoren. Doch es war einfach nur ein Buch. Aus Papier.


Während Frank in der Menschenwelt an seinem Verstand zweifelte, schrillte tief im Herzen von Feenland ein Alarm, der die Kristallwände der Wächterzentrale erzittern ließ.

Barnim, ein Zwerg mit einem Bart, der so dicht war, dass man darin vermutlich ganze Bergwerke verstecken konnte, schreckte mit einem Schnauben aus seinem Nickerchen auf. Er fuchtelte wild mit seinen kurzen Armen herum und suchte den Schalter, um das ohrenbetäubende Schrillen abzustellen. Dabei traf er wohl die falschen Knöpfe und der Alarm wurde immer lauter.

„Halt ein, Nimmi! Ich mach das schon!“, rief Losanna, eine hochgewachsene, elegante Elfe, die in den Raum stürmte. Ihre Finger tanzten über eine leuchtende Runenoberfläche, bis wieder Stille einkehrte.

„Sieh dir das an. Sektor Deutschland, Dresden. Die Galerie der Alten Meister. Thomas hat den Magie-Alarm ausgelöst.“

Barnim grummelte und rückte seinen schweren Panzergürtel zurecht.

„Hoffentlich kein Fehlalarm. Ich sag’s gerne erneut: Die Menschen über unsere Welt aufzuklären, ist, als würde man einem Oger beibringen wollen, wie man auf Porzellan flötet. Es endet immer im Chaos!“

Losanna lächelte nachsichtig. Sie wusste, dass Barnim – oder „Nimmi“, wie sie ihn zum Leidwesen seiner zwergischen Würde nannte – die Menschenwelt für einen Ort hielt, der viel zu wenig Stein und viel zu viel Lärm bot.

Plötzlich knallte die schwere Eichentür des Saals gegen die Wand. Kaelan, der Anführer der Wächter, trat ein. Seine Aura strahlte eine Intensität aus, die die Anzeigen auf den Pulten kurzzeitig zum Flackern brachte.

„Magie-Alarm? Bei Thomas?“, fragte er kurz angebunden.

Barnim nickte knapp.

„Wir haben och keine Details.“

„Ich bin auf dem Weg“, sagte Kaelan entschlossen. „Aber ich kann nicht allein dort operieren. Wir brauchen Spezialisten. Schickt jemanden zu Adiuva et Protege. Verpasst ihnen eine Schnelleinführung in die moderne Menschenwelt und dann ab nach Dresden! Schickt Max.“

Losanna riss die Augen auf.

„Was? Kaelan, dein Ernst? Du willst eine B-Rang-Gruppe mit I-H-R schicken? Willst du das Dresden wirklich antun?“

Doch Kaelan war bereits wieder verschwunden, sein Umhang wehte wie eine Gewitterwolke hinter ihm her.

Barnim kratzte sich nachdenklich am Bart.

„Was er eigentlich sagen will, er will Darin. Aber Darin gibt’s nur im Paket mit der Chaos-Queen. Aber mit Funny als Kopf der Truppe wird der Schaden schon… überschaubar bleiben. Hoffentlich.“


Im kleinen Häuschen der Abenteurergruppe Adiuva et Protege herrschte derweil eine ganz eigene Art von Katastrophe.

Hicks!

Eine kostbare blaue Vase hüpfte vom Beistelltisch und zerschellte auf den Dielen. Funny sah auf.

„Lily… denkt gerade jemand besonders intensiv an dich?“

Hicks!

Ein ganzer Stapel Bücher im Regal wurde von einer unsichtbaren Druckwelle erfasst und segelte wie ein Schwarm betrunkener Vögel durch das Zimmer.

Lily saß auf dem Sofa, hielt sich den Bauch und sah aus, als würde sie gleich platzen.

„Hicks! Himmel noch mal! Dieser Schluckauf macht mich wahnsinnig!“

Darin, der in der Ecke saß und an einem mechanischen Bauteil schraubte, warf ihr einen trockenen Blick über den Rand seiner Brille zu.

„Das passiert, wenn man eine ganze Flasche Moselbeerensaft in einem Zug leert, nur weil man ‚keine Zeit für Pausen‘ hat.“

Lily streckte ihm die Zunge raus, was durch einen erneuten Hicks! unterbrochen wurde, der einen Stuhl umkippen ließ.

„Aber er schmeckt nun mal so gut!“

Funny kicherte leise.

„Du weißt schon, dass er in drei Schlucken exakt genauso schmeckt, Li-chan?“

Der Geschirrstapel in der Spüle begann verdächtig zu knirschen. Darin legte seinen Schraubenzieher weg und zog einen Brief aus seiner Tasche.

„Lily, sieh mal. Hier ist gerade eine Nachricht aus Marinburg eingetroffen. Der Hafenmeister hat geschrieben. Er braucht dringend deine Hilfe!“

Lily erstarrte. Ihr Gesicht wurde blass.

„Nicht… nicht dein Ernst!“, hauchte sie.

Darin starrte sie eine volle Minute lang mit einer Miene an, die so ernst war, dass man darauf hätte Grabinschriften meißeln können. Lily hielt den Atem an. Bloß nicht Marinburg. Alles, nur nicht Marinburg, schoss es ihr durch den Kopf. Der bloße Gedanke an den griesgrämigen Hafenmeister und ihre dortigen „Jugendsünden“ ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren.

Darin wandte sich seelenruhig an Funny.

„So. Schluckauf abgeschaltet. Die Welt ist gerettet.“

„Hä?“, machte Lily und blinzelte. Tatsächlich – das Schluckauf war weg, das Geschirr gerettet.

„Du hast mich reingelegt!“, lachte sie dann.

In diesem Moment klopfte es an der Tür.

Funny öffnete. Draußen stand ein junger Mann in einem grauen T-Shirt, dunklen Jeans und weißen Turnschuhen. Er lächelte breit.

„Guten Abend! Ich bin Max. Ich bin Austauschstudent in der Wächterzentrale.“

„Was zum Kuckuck ist ein Austauschstudent?“, fragte Lily, während Max an den Esstisch gebeten wurde.

„Kaelan hatte die Idee, Verbindungsleute in der Menschenwelt zu platzieren“, erklärte Max freundlich. „Menschen, die beide Welten kennen. Ich lerne hier in Feenland alles über Magie, damit mein Gedächtnis nicht wie im Nebel verschwindet, wenn ich zurückgehe. Ich soll eure Brücke sein.“

Funny nickte verstehend.

„Und du wirst eingesetzt, wenn es ungewöhnliche Phänomene gibt?“

„Genau. Und heute bin ich hier, um euch einen Crashkurs zu geben. Ihr müsst sofort nach Dresden in eine Gemäldegalerie.“

Darins Augen leuchteten auf.

„Die Menschenwelt! Endlich! All diese technischen Wunderwerke mit eigenen Augen sehen…“

Dann blieb sein Blick an Lily hängen. Er schluckte. Er stellte sich vor, wie Lily versuchte, einen Fahrstuhl zu bedienen oder – noch schlimmer – ein Auto als angreifendes Monster interpretierte und ihre Naginata zog… Funny schien das Gleiche zu denken, denn sie musterte ihre rothaarige Freundin mit besorgter Miene.

„Was?!“, rief Lily empört. „Glaubt ihr etwa beide, ich könnte mich nicht benehmen?“

„Ja, das glauben wir!“, riefen Funny und Darin wie aus einem Mund.

Lily kniff die Augen zusammen.

„Pah! Ich werde die höflichste Elfe sein, die diese graue Welt je gesehen hat!“

„Wartet, wartet!“, lachte Max. „Ich helfe euch. Erstens: Das Auffallen. Ihr werdet nicht als Elfen wahrgenommen werden. Die Kompensationsmagie sorgt dafür, dass Menschen euch als gewöhnliche Personen sehen. Auch eure Flügel werden nicht auffallen und eure Kleidung“, Max lächelte, als er Funny und Lily musterte, „nun, auch diese wird in den Augen der Menschen völlig normal sein. Dennoch, die Magie ist zwar sehr tolerant, aber fallt nicht auf, macht nichts ungewöhnliches.“

„Also keine Naginata in der Öffentlichkeit ziehen?“, fragte Funny lächelnd, während Lily gespannt auf Max Reaktion wartete.

„Um Himmels Willen, nein!“, rief Max. „Keine Waffen in der Öffentlichkeit ziehen oder tragen. Ich habe hier ein kleines Handbuch für euch. Es antwortet auf fast alles. Wie man Tickets kauft, wie man Rolltreppen benutzt, wie man sich ausweist… Kurzfassung: Einfach durchgehen und immer nett grüßen. Aber egal was, fragt immer erst das Buch.“

Max erzählte und erklärte und wusste doch, die Menschenwelt würde gerade für Blumenelfen ein ziemlicher Schock werden. Zum Abschied überreichte er Funny das Büchlein und verabschiedete sich mit einem Lächeln.

„Morgen kommt eine Kutsche, sie holt euch ab und bringt euch zur Bahn.“

Kaum war die Tür hinter Max ins Schloss gefallen, brach im Wohnzimmer der Blumenelfen das organisierte Chaos aus.

„Ich gehe dann mal packen“, warf Darin trocken in den Raum, während Lily bereits aufgeregt mit den Flügeln schlug und Funny das magische Buch befragte. Er kannte seine Mitbewohnerinnen – wenn er jetzt nicht anfing, die Itembox strategisch sinnvoll mit Magitech-Gadgets zu füllen, würden sie nie pünktlich in Dresden stehen können.

Funny schlug das Buch auf.

„Wie fahre ich mit der Bahn?“, fragte sie die leeren Seiten.

Ein leises Rascheln ging durch das Papier. Buchstaben tanzten über die Blätter und eine sonore, beruhigende Stimme erklang: „Eine Kutsche bringt euch zum Bahnhof. Gleis drei ist euer Ziel. Steigt in den dritten Wagen, Abteil 4 ist für euch reserviert.“

Ein Bild eines modernen ICE-Zugs erschien auf der Seite.

„Achtet auf die Durchsagen. Wenn die Stimme ‚Dresden Hauptbahnhof‘ sagt, steigt ihr aus. Und falls ein Kontrolleur kommt, sagt einfach: ‚Sie brauchen unsere Tickets nicht zu sehen, gehen Sie einfach weiter.‘“

Lily, die über Funnys Schulter lugte, grinste breit.

„Das ist ja wie bei uns! Wenn der Dorfpolizist mich fragt, warum der Marktplatz voller Dornenhecken ist, sage ich auch immer: ‚Ich bin nicht die Blumenelfe, die du suchst.‘ Funktioniert jedes Mal!“

Funny kicherte leise.

„Lily, der gute Mann lässt dich nur gehen, weil er Angst vor dem nächsten Wutanfall deiner Dornenmagie hat.“

„Pah!“, lachte Lily. „Er schätzt einfach meine… Präsenz.“

Doch dann blätterte das Buch von selbst weiter.

„Was ist die Galerie der Alten Meister?“, las Funny laut.

Die Stimme des Buches wurde plötzlich strenger: „Dresden ist berühmt für seine Kunstschätze: Gemälde, Edelsteine, Weltkultur. MACHT NICHTS KAPUTT! Vor allem du nicht, Lily!“

Funny prustete los.

„Sogar das Buch hat dich auf dem Schirm, Lily. Dein Ruf eilt dir über die Welten hinweg voraus.“

Lily, sichtlich eingeschnappt, verschränkte die Arme.

„Ich gehe ins Bett! Weckt mich, wenn die Kutsche da ist. Ihr werdet schon sehen: Super-Lily wird diese Menschenwelt im Sturm erobern – und zwar ganz ohne Kollateralschäden!“


Der nächste Tag verlief überraschend reibungslos. Die Kutsche war pünktlich, der Zug in der Menschenwelt kam tatsächlich auf die Minute genau an (ein wahres Wunder der Technik, wie Darin feststellte) und am Bahnsteig wartete bereits Kaelan. Neben ihm stand Thomas, der junge Wachmann, der sichtlich nervös an seinem Funkgerät nestelte.

Auf dem Weg zur Galerie sprudelte es aus Thomas heraus: „Gestern Morgen… ich rief Ralph über Funk. Keine Antwort. Ich lief in den Madonnensaal. Er war leer. Aber als ich auf das Bild sah… da lehnte er. Ralph, direkt im Bild, neben den Engeln. Er ist jetzt… Ölfarbe.“

Darin, der während des Gehens bereits an einem kleinen, kupfernen Apparat schraubte, nickte fachmännisch.

„Ein Portal. Drei Möglichkeiten: Das Pigment ist verflucht, der Rahmen ist der Anker oder ein Wesen innerhalb der Leinwand saugt Materie ein.“

Thomas starrte Darin mit offenem Mund an. Kaelan grinste nur.

„Ich sagte doch, ich hole die Profis.“

Wenig später standen sie vor dem Zwinger. Selbst Lily hielt kurz den Atem an.

„Nicht übel für Menschen“, murmelte sie. „Ein bisschen grau, aber die Form ist akzeptabel.“

Vor dem Eingang drängte sich eine wütende Menschenmenge.

„Wieso ist zu?!“, brüllte ein Tourist. „Ich hab extra Urlaub genommen!“

Kaelan trat vor die Menge. Er wirkte in seiner menschlichen Tarnung wie ein imposanter Sicherheitschef. Seine Stimme war nicht laut, aber sie hatte dieses sagenhafte Gewicht, das Widerspruch im Keim erstickte.

„Der Schutz der Kunst steht an erster Stelle“, sprach er ruhig. „Unsere Klimaanlage spielt verrückt. Wenn die Feuchtigkeit die Madonna zerstört, verliert Dresden sein Herz. Gebt uns Zeit. Morgen wissen wir mehr.“

Wie durch ein Wunder beruhigten sich die Menschen und zogen ab.

Thomas flüsterte beeindruckt: „War das ein Deeskalations-Zauber?“

Funny kicherte.

„Nein. Das ist einfach Kaelan. Wenn er spricht, hört die Welt zu. Und dann wird es so gemacht.“


Im Madonnensaal angekommen, begann Darin sofort damit die Fenster und die Türen mit leuchtenden Runen-Plättchen zu versiegeln.

„Nichts darf diesen Raum unkontrolliert verlassen“, befahl er.

Thomas nickte.

„Ich sichere von außen, dass niemand hereinkommt. Darf ich zuschauen?“

Darin nickte lächelnd.

Er baute Sensoren um das riesige Gemälde auf, in dem nun tatsächlich der Wachmann Ralph neben der heiligen Barbara stand und ziemlich bedröppelt aus der Leinwand schaute.

„Es ist der Rahmen“, stellte Darin fest. „Echtes Schwarzholz aus dem Schwarzen Wald von Feenland. Jemand hat diesen alten Fluch-Rahmen wiederverwendet.“

In diesem Moment piepte Kaelans Kommunikator. Er fluchte leise.

„Paris meldet Probleme. Touristen im Louvre verschwinden in das Gemälde der Freiheit. Ich muss den Abendflug nehmen. Kommt morgen nach!“

Funny nickte, doch sie hatte keine Zeit für lange Abschiede. Ein gellendes Lachen erfüllte den Saal. Aus der Leinwand schossen zwei nackte Gestalten – die berühmten zwei Putten-Engel vom unteren Bildrand! Doch sie sahen nicht mehr friedlich aus. Ihre Augen glühten gelb, und sie fletschten kleine, spitze Zähne.

„ALARM!“, brüllte Lily und zog ihre Naginata. „Die Windelpupser sind ausgebüxt!“

Die kleinen Dämonen-Engel rasten durch den Saal, warfen Vasen um und versuchten, an den Vorhängen hochzuklettern und aus dem Raum zu entkommen. Zum Glück waren Darins Siegel sehr mächtig.

„Komm her, du fliegendes Speckröllchen!“, rief Lily.

Sie setzte zu einem gewaltigen Sprung an, ihre Elfenflügel gaben ihr einen enormen Schub. Sie fing den ersten Engel im Flug ab, doch der Kleine war schlüpfrig wie ein Aal.

„Darin! Gib mir was zum Fesseln!“, schrie Lily, während sie mit dem zweiten Engel rangelte, der ihr frech an den Haaren zog.

Darin warf ihr zwei magisch verstärkte Tücher zu. Lily grinste bösartig. Mit einer Fingerfertigkeit, die man der impulsiven Elfe kaum zugetraut hätte, wickelte sie die beiden schreienden Putten jeweils in ein Tuch – wie in eine überdimensionale, feste Windel.

„So!“, schnaufte sie und hielt die beiden zappelnden Bündel hoch. „Jetzt ist Ruhe mit dem Schabernack. Wer Windeln trägt, hat nichts zu sagen!“


Darin hatte währenddessen einen „Transferstrahler“ aufgebaut, ein Gerät, das wie eine Mischung aus Teleskop und Blitzlicht aussah.

„Funny, du musst rein. Menschen haben keinen magischen Eigenantrieb. Du musst Ralph einen Schubs geben. Deine Magie neutralisiert die Magie, die ihn festhält.“

Funny nickte entschlossen und stellte sich vor das Bild. Ein Lichtblitz zuckte auf. Im nächsten Moment war die Madonna im Bild verschwunden – und an ihrer Stelle stand Funny. Lily kicherte.

„Schaut euch das an! Funny als Madonna. Wie liebevoll sie das Jesuskind hält… sie hat es sogar in eine Decke eingewickelt, damit es nicht friert. Sie ist einfach zu gut für diese Welt.“

Darin konzentrierte sich und versuchte, sich nicht ablenken zu lassen. Trotzdem schielte er immer wieder zur Sixtinischen Funny. Er legte die beiden „eingewickelten“ Engel vor den Strahler. Wieder blitzte es, und die Putten klebten wieder am unteren Rand des Bildes, sichtlich beleidigt über ihre neue Bekleidung. Dann schaltete Darin die Polarität um.

„Alles festhalten!“

Es wurde schlagartig stockfinster im Saal. Die gesamte Raumenergie schien in den Rahmen gesaugt zu werden. Ein lautes Knirschen, ein Ploppen wie bei einem Sektkorken – und dann purzelte der Wachmann Ralph aus der Luft, direkt gefolgt von einer elegant landenden Funny.

Ralph schüttelte sich wie ein nasser Hund. Er starrte zur Madonna, dann zu Funny. Die Magie begann sofort einen Nebel des Vergessens zu wirken.

„Wenn ich es nicht besser wüsste… junge Dame, Sie könnten glatt Modell gestanden haben für den alten Raffael.“

Sein Blick wanderte zu Lily und ihrer Naginata.

„Und Du, Schätzchen, nimm mal deinen langen Stock runter, bevor du hier noch die Deckenlampen abrasierst.“

Lily machte einen übertrieben höflichen Knicks, während sie ihre Waffe in der Itembox verschwinden ließ.

„Sehr wohl, der Herr! Wir sind ja schließlich Experten.“

Darin zückte seine „Kopie-Kanone“. Er scannte das Original, drückte auf einen blauen Stein an dem Gerät und mit einem summenden Geräusch erschien eine perfekte, harmlose Kopie der Madonna an der Wand. Das verfluchte Original verschwand in der Itembox.

Die zerbrochenen Vasen kopierte Darin auch noch. Die Kopien waren dann nicht mehr zerstört. Funny stellte sie wieder an Ort und Stelle, womit die Spuren der kurzen aber heftigen Auseinandersetzung mit den beiden Baby-Dämonen schnell beseitigt waren.

„So, erledigt!“, verkündete Darin stolz.

Draußen erwartete sie Thomas.

„Sehr beeindruckend!“

Funny lächelte erschöpft.

„Alles geregelt. Morgen könnt ihr wieder öffnen. Wir haben die Sensoren… ‚neu eingestellt‘.“

Thomas klopfte Ralph auf die Schulter, während dieser nur murmelte: „Mit Experten arbeiten macht einfach Laune.“

Lily stolzierte an ihnen vorbei Richtung Ausgang.

„Kommt schon! Thomas bringt uns jetzt zu diesem Flughafen-Dingsi, na diesem Hotel. Morgen geht’s nach Paris. Ich wollte schon immer mal sehen, ob diese ‚Freiheit‘ im Louvre auch Windeln braucht!“

Thomas führte die drei Elfen zu seinem Wagen. Die nächtliche Luft Dresdens war kühl, und die Lichter der Stadt spiegelten sich in der Elbe. Der junge Wachmann wirkte, als hätte er gerade den besten Actionfilm seines Lebens gesehen – und er war der Hauptdarsteller im Hintergrund gewesen.

„Ganz ehrlich?“, begann Thomas, während er den Motor anließ. „Ihr wart der absolute Wahnsinn. Ich dachte erst, Kaelan scherzt, als er von einer ‚Blumenelfen-Eingreiftruppe‘ sprach, aber wie du diese Windel-Dämonen im Flug getackelt hast, Lily… das war filmreif!“

Lily, die gerade versuchte, ihren Sicherheitsgurt wie eine ritterliche Schärpe anzulegen, grinste breit.

„Tja, Thomas, merk dir eins: Gegen Super-Lily hat kein Putte eine Chance. Egal, wie nackt er ist!“

„Ich meine es ernst“, fuhr Thomas fort, während er den Wagen sanft durch die Barockstadt steuerte. „Kommt uns mal besuchen, wenn hier kein magischer GAU herrscht. Ich zeige euch die Stadt, wir gehen ordentlich essen – Dresden hat nämlich noch viel mehr zu bieten als nur verrückte Bilderrahmen. Aber jetzt wartet Paris auf euch. Ein Kollege von uns, Francois, wird euch dort am Flughafen abholen. Er ist… nun ja, speziell. Ihr werdet ihn sofort erkennen, wenn ihr ihn seht.“

„Speziell?“, fragte Darin und hob eine Augenbraue. „Noch spezieller als eine Elfe in einem Hotel am Flughafen?“

Thomas lachte. „Glaub mir, in Paris fällt gar nichts auf. Da ist Verrücktheit quasi die offizielle Amtssprache.“

Wenig später hielt der Wagen vor dem gläsernen Portal des Flughafen-Hotels. Thomas stieg aus und öffnete den Mädels die Tür. Es herrschte eine kurze, fast wehmütige Stille. Thomas trat auf Funny zu und umarmte sie herzlich.

„Danke Funny, es war ein tolles Abenteuer mit euch. Pass auf die beiden auf!“

Dann kam Lily an die Reihe. Thomas hielt sie einen Moment länger fest als nötig, was Lily mit einem überraschten, aber recht zufriedenen Glucksen quittierte.

„Nicht weinen, Großer“, neckte sie ihn und tätschelte ihm den Rücken. „Wenn ich in Paris fertig bin, schicke ich dir vielleicht eine Postkarte. Mit einem Eiffelturm drauf, den ich nicht umgeworfen habe.“

Thomas lachte, winkte ein letztes Mal und stieg in seinen Wagen, um zurück zum Zwinger zu fahren.

Funny trat an den Check-in-Schalter und nahm die kleine Plastikkarte entgegen, die ihnen den Zugang zu ihrem Zimmer gewährte.

„Eine Schlüsselkarte“, murmelte Darin fasziniert und betrachtete den Magnetstreifen unter seiner Lupe. „Informationen, gespeichert in magnetischen Feldern. Primitiv, aber irgendwie elegant.“

Im Zimmer angekommen, hüpfte Lily gleich auf ihr Bett.

„Paris also! Der Louvre! Ich hoffe, die ‚Freiheit‘ im Bild trägt keine Windeln, sonst wird das ein verdammt kurzer Kampf.“

Funny stand am Fenster und blickte hinaus auf die beleuchteten Landebahnen des Flughafens. Ihr Blick war fern.

„Der Louvre ist riesig, Lily. Und wenn Kaelan recht hat, ist die Sixtinische Madonna nur der Anfang einer viel größeren Welle gewesen. In Paris ist die Magie viel wilder, viel… revolutionärer.“

Sie strich über die glatte Oberfläche ihrer Schlüsselkarte. Ihre Gedanken waren bereits in den langen Gängen des Louvre, zwischen Marmorstatuen und verfluchten Meisterwerken. Morgen würden sie in das Herz der Kunst reisen – und Funny hatte so das Gefühl, dass sie dort mehr als nur ein paar Windeln brauchen würden.

Fortsetzung folgt…

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