Der Morgen im WG-Häuschen begann so, wie fast jeder Morgen begann: Mit dem leisen Brodeln der Kaffeemaschine und dem sanften Duft von frisch gemahlenen Bohnen. Darin stand bereits in der Küche, das blaue Shirt noch ein wenig zerknittert und starrte konzentriert auf den Filter, als wäre es ein hochkomplexes Experiment.
Ein leises Tapsen kündigte Funny an. Sie trat lächelnd in die Küche, die Morgensonne fing sich in ihrem blauen Haar und ließ es schimmern. Mit einem verschmitzten Funkeln in den Augen trat sie neben ihn.
„Guten Morgen, Darin“, flüsterte sie. „Weißt du eigentlich, was heute für ein Tag ist?“
Darin blinzelte und warf einen kurzen Blick auf den digitalen Kalender an der Wand.
„Äh… Dienstag? Gemäß meinen Berechnungen folgt er unmittelbar auf den Montag.“
Funny lachte leise und schüttelte den Kopf.
„Das auch. Aber heute ist ein ganz besonderer Tag: Es ist der Tag des Kuschelns. Das ist so ein Menschending.“
Darin hielt inne, die Kaffeekanne in der Hand.
„Das Kuscheln an sich ist ein Menschending? Ich dachte, die biologische Notwendigkeit von Nähe wäre speziesübergreifend…“
„Nein, du Dussel“, unterbrach ihn Funny amüsiert und wurde dabei ein wenig rot um die Nasenspitze.
„Kuscheln darf natürlich jeder. Aber es ist ein Menschending, solche Gefühle an bestimmten Tagen ganz besonders zu würdigen. Und heute ist eben dieser Tag.“
Sie senkte die Stimme und sah ihn abwartend an.
„Hast du eigentlich noch den großen Sessel in unserem… du weißt schon… Gartenversteck?“
Darin lief schlagartig knallrot an. Er wusste genau, welchen Sessel sie meinte – den, den er extra mit Schwebemagie und Polstern aus Zauberwolle modifiziert hatte.
„J-ja“, stammelte er und sah sich hektisch um. „Aber pssst! Lily darf unter keinen Umständen davon erfahren. Wenn sie uns findet, zieht sie uns wochenlang damit auf. Du kennst sie.“
Funny nickte eifrig.
„Kein Wort zu Lily! Wir machen ihr einfach das beste Ablenkungs-Frühstück aller Zeiten.“
Die Flucht in den Garten
In Rekordzeit bereiteten die beiden ein Buffet vor, das selbst einen hungrigen Zwerg überwältigt hätte: Pfannkuchen, frisches Obst, drei verschiedene Säfte und natürlich der extra starke „Lily-Spezial“-Kaffee. Dann schlichen sie sich, die Hände fest umschlungen, hinaus in den Garten.
Hinter einer dichten Wand aus Glyzinien und Zauberhaseln lag ihr Versteck. Ein riesiger, samteingefasster Sessel wartete dort auf sie. Die Sonne stieg gerade über die Bäume und tauchte die Welt in ein goldenes Licht. Funny und Darin ließen sich in die weichen Polster sinken. Funny lehnte ihren Kopf an seine Schulter, Darin legte den Arm um sie, und beide schlossen die Augen, um die Ruhe und die Wärme des anderen zu genießen.
Der Detektiv im roten Bikini
Etwa zwanzig Minuten später tappte Lily im Halbschlaf in die Küche. Ihre Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab, und sie murmelte etwas über „zu frühe Sonnenstrahlen“. Doch als sie den Frühstückstisch sah, riss sie die Augen auf.
„Was beim Kuckuck…?“ Lily starrte auf die Berge von Pfannkuchen. „Hier ist was faul!“
Normalerweise war sie dankbar, wenn die beiden mitdeckten, aber das hier sah nach einem schlechten Gewissen oder einer Bestechung aus. An einem ganz normalen Dienstag? Sie rief probeweise ins Haus: „Darin? Funny? Der Kaffee wird kalt!“
Keine Antwort. Die Stille war verdächtig. Ein wissendes Lächeln stahl sich auf Lilys Gesicht.
„Sie werden doch nicht etwa…“
Sie wusste es natürlich schon längst. Das „geheime“ Plätzchen im Garten war für eine Wächterin mit Lilys Spürsinn etwa so geheim wie ein Elefant in einem Porzellanladen. Aber weil sie ihre beiden Freunde über alles liebte und wollte, dass sie endlich zueinander fanden, hatte sie bisher immer so getan, als wüsste sie von nichts.
Aber heute wollte sie es genau wissen. Lautlos, wie ein Schatten, schlich sie sich auf die Terrasse und von dort aus in Richtung der dichten Büsche. Sie schob vorsichtig einen Zweig beiseite.
Dort saßen sie. Eng umschlungen, völlig versunken in ihre kleine Welt aus Ruhe und Geborgenheit. Die strahlende Morgensonne schien sie förmlich zu segnen.
Lily hielt den Atem an. Ein schelmisches Grinsen huschte über ihre Lippen, und sie hob schon die Hand für einen lauten Spruch – doch dann hielt sie inne. Sie sah, wie entspannt Funny aussah und wie fest Darin sie hielt.
„Nicht heute, Lily“, dachte sie sich und zog den Zweig ganz langsam und geräuschlos wieder zurück. Sogar die „Rote Chaotin“ wusste, wann ein Moment zu kostbar war, um ihn mit einem Streich zu unterbrechen.
Sie schlich zurück in die Küche, schnappte sich einen Pfannkuchen und biss herzhaft hinein. Während sie kaute, sah sie aus dem Fenster und ein warmer Gedanke ließ ihr Herz hüpfen: In ihrer Vorstellung sah sie schon einen ganzen Haufen winziger Blumenelfenkinder mit blauen und grauen Haaren durch den Flur flitzen, während sie ihnen von heldenhaften Kämpfen und echten Drachen erzählte.
„Lasst euch Zeit, ihr zwei“, murmelte sie grinsend und goss sich den Kaffee ein. „Ich esse solange eure Pfannkuchen auf.“


































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